Nordic Walking bei Herzproblemen: Sanftes Ausdauertraining mit Stöcken

Regelmäßiges Ausdauertraining gehört heute fest zur Behandlung vieler Herzerkrankungen. Nordic Walking ist dafür eine gut dosierbare und gelenkschonende Möglichkeit. Was Bewegung dem Herzen bringt, wie viel empfohlen wird und worauf Herzpatientinnen und Herzpatienten vor dem Start achten sollten.

McGesund-Redaktion · Veröffentlicht am · Zuletzt aktualisiert am

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Nordic Walking bei Herzproblemen: Sanftes Ausdauertraining mit Stöcken
Inhaltsverzeichnis

Mit kräftigen Schritten und schwungvollem Stockeinsatz durch Park oder Wald: Nordic Walking wurde anfangs oft belächelt, inzwischen ist es fest im Breiten- und Gesundheitssport angekommen. Gerade für Menschen mit Herzproblemen kann diese Form des Ausdauertrainings interessant sein. Denn regelmäßige Bewegung gilt heute nicht mehr als Risiko für das kranke Herz, sondern als wichtiger Teil der Behandlung – vorausgesetzt, Training und Belastung passen zur Erkrankung.

Warum Bewegung dem Herzen guttut

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist regelmäßige körperliche Aktivität mit einem geringeren Risiko verbunden, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben oder neu an Bluthochdruck zu erkranken. Menschen, die sich zu wenig bewegen, haben demnach ein um 20 bis 30 Prozent höheres Sterberisiko als ausreichend aktive Menschen.

Auch bei bereits bestehender Herzerkrankung lohnt sich Training. Für Menschen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist körperliches Training laut dem Gesundheitsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine der Säulen der Behandlung. Bei leichter bis mittelschwerer Herzschwäche kann ein Training mehrmals pro Woche für etwa 30 bis 60 Minuten helfen. Wer an einem solchen Programm teilnimmt, ist körperlich belastbarer, schätzt die eigene Lebensqualität höher ein und muss seltener ins Krankenhaus.

Was Nordic Walking auszeichnet

Nordic Walking ist zügiges Gehen mit speziellen Stöcken. Durch den aktiven Stockeinsatz arbeiten neben den Beinen auch Arme, Schultern und Rumpf mit. Das macht die Bewegung zu einem Ganzkörpertraining, das sich trotzdem sehr fein dosieren lässt: vom gemütlichen Gehen bis zum flotten Tempo am Hang.

Für Herzpatientinnen und Herzpatienten ist genau diese Dosierbarkeit wichtig. Zügiges Gehen wird in den Gesundheitsinformationen des IQWiG ausdrücklich als geeignete Form des Ausdauertrainings genannt, ebenso wie Radfahren oder Schwimmen. Nordic Walking ist eine Variante davon, die zusätzlich den Oberkörper einbezieht und sich gut in der Gruppe und an der frischen Luft betreiben lässt.

Was regelmäßiges Training stärken kann

  • Ausdauer und Belastbarkeit im Alltag, etwa beim Treppensteigen oder Einkaufen
  • Muskulatur in Beinen, Armen, Schultern und Rumpf
  • Koordination durch das Zusammenspiel von Armen und Beinen
  • Wohlbefinden und Lebensqualität, gerade wenn in der Gruppe trainiert wird

Eine Garantie für bestimmte Effekte gibt es nicht. Wie stark jemand profitiert, hängt von der Art der Herzerkrankung, vom Ausgangszustand und von der Regelmäßigkeit ab.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

FrageAntwort
Allgemeine Empfehlung für Erwachsene (WHO)mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche
Empfehlung bei koronarer Herzkrankheit ohne größere Zusatzrisikenmindestens zwei Stunden moderates Ausdauertraining pro Woche
Aufteilungflexibel, jede Aktivität ab zehn Minuten zählt, z. B. 4 × 30 oder 8 × 15 Minuten
Herzschwäche (leicht bis mittelschwer)mehrmals pro Woche etwa 30 bis 60 Minuten, möglichst in einem Herzsport-Programm
Effekt von Herzsport bei HerzschwächeKrankenhausaufnahmen innerhalb eines Jahres: etwa 14 statt 20 von 100 Personen
Herzsportgruppe über die Krankenkasseärztliche Verordnung (Muster 56), Kostenübernahme durch die Krankenkasse; Erstverordnung: 90 Übungseinheiten in 24 Monaten

Herzsportgruppen: Training unter Aufsicht

Wer nach einem Herzinfarkt, mit koronarer Herzkrankheit oder Herzschwäche wieder aktiv werden möchte, findet in vielen Städten und Gemeinden Herzsportgruppen, oft angebunden an Sportvereine. Dort trainieren Sie in der Gruppe unter fachlicher Leitung speziell ausgebildeter Übungsleiterinnen und Übungsleiter ein angepasstes Ausdauer- und Muskeltraining. Die Teilnahme verordnet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit dem Formular „Muster 56“; die gesetzliche Krankenkasse erklärt darauf die Kostenübernahme. Die Erstverordnung umfasst 90 Übungseinheiten, die innerhalb von 24 Monaten genutzt werden können. Klären Sie die Kostenübernahme vor dem Start mit Ihrer Krankenkasse.

Training zu Hause ist laut IQWiG bei Herzschwäche wahrscheinlich ähnlich wirksam wie ein Gruppenprogramm. Wichtig ist, vorher mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, welche Sportart und welche Intensität passen.

So starten Sie sicher mit Nordic Walking

  • Vorher ärztlich abklären: Lassen Sie vor dem Einstieg in Ihrer Haus- oder Kardiologiepraxis besprechen, wie stark Sie sich belasten dürfen. Gegebenenfalls hilft ein Belastungs-EKG bei der Einschätzung.
  • Langsam anfangen: Starten Sie mit kurzen Runden in entspanntem Tempo und steigern Sie Dauer und Tempo erst nach und nach.
  • Moderat bleiben: Sie sollten sich beim Gehen noch unterhalten können. Zu viel Belastung ist laut IQWiG ebenso wenig sinnvoll wie zu wenig – übermäßiges Training kann kurzfristig sogar das Herzinfarktrisiko erhöhen.
  • Technik lernen: Ein Einsteigerkurs zeigt, wie Stocklänge und Stockeinsatz richtig sind. Erst mit sauberer Technik arbeitet der Oberkörper wirklich mit.
  • Belastung im Blick behalten: Pulsuhr oder Schrittzähler können helfen, die Belastung zu steuern.
  • Auf den Körper hören: Bei akuten Infekten und Fieber pausieren Sie besser. Treten beim Training Beschwerden auf oder nimmt Ihre Belastbarkeit über mehrere Tage ab, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
  • Warnzeichen ernst nehmen: Brustschmerzen, ungewohnte Atemnot, Schwindel oder Herzstolpern sind ein Grund, sofort aufzuhören und ärztlichen Rat einzuholen. Bei anhaltenden Brustschmerzen wählen Sie den Notruf 112.

Tipp: Nehmen Sie Ihre Medikamentenliste und, falls vorhanden, einen aktuellen Arztbrief mit zum ersten Termin in der Herzsportgruppe oder beim Kurs. So können Übungsleitende die Belastung besser einschätzen.

Fazit

Nordic Walking ist kein Wundermittel, aber eine gut dosierbare und alltagstaugliche Möglichkeit, das Herz-Kreislauf-System regelmäßig zu fordern. Für viele Menschen mit Herzproblemen ist angepasstes Ausdauertraining heute ausdrücklich empfohlen – entscheidend sind die ärztliche Abklärung vorab und ein behutsamer Einstieg. Die passende Ansprechpartnerin oder den passenden Ansprechpartner finden Sie in unserem Verzeichnis unter Kardiologie. Angebote für betreutes Training gibt es unter Herz-Kreislauf-Sport, gemeinsame Runden im Freien unter Lauftreffs.

Quellen

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