Akne behandeln: Was die neue Leitlinie 2026 empfiehlt und was wirklich hilft

Seit August 2026 gilt eine überarbeitete deutsche Leitlinie zur Aknetherapie. Sie setzt stärker auf eine individuelle Behandlung, nimmt neue Wirkstoffe auf und mahnt zum sparsamen Einsatz von Antibiotika. Welche Mittel nachweislich helfen, wie lange sie brauchen und was Sie selbst tun können.

McGesund-Redaktion · Veröffentlicht am · Zuletzt aktualisiert am

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Akne behandeln: Was die neue Leitlinie 2026 empfiehlt und was wirklich hilft
Inhaltsverzeichnis

Akne ist die häufigste Hauterkrankung im Jugendalter. Die meisten jungen Menschen bekommen in der Pubertät zumindest einige Pickel, bei etwa 15 bis 30 von 100 Jugendlichen ist die Akne so ausgeprägt, dass ärztlicher Rat oder eine Behandlung sinnvoll sind. Und nicht immer verschwindet sie mit 20: Manche Betroffene haben auch nach dem 30. Lebensjahr noch damit zu tun. Die gute Nachricht: Akne lässt sich wirksam behandeln. Im Spätsommer 2026 ist dazu eine überarbeitete deutsche Leitlinie erschienen.

Was ist neu an der Leitlinie?

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) hat die S2k-Leitlinie „Therapie der Akne“ gemeinsam mit fünf weiteren Fachgesellschaften und zwei Patientenvertreterinnen überarbeitet. Grundlage ist die europäische Akne-Leitlinie. Die neue Fassung gilt seit dem 1. August 2026 bis Ende Juli 2031.

Der wichtigste Grundgedanke: Die Behandlung soll individueller werden. Neben Schweregrad und Erscheinungsbild der Akne sollen Ärztinnen und Ärzte auch die betroffene Körperregion, das Narbenrisiko, Alter, Lebensqualität, eine mögliche Schwangerschaft, Begleiterkrankungen und die Wünsche der Betroffenen berücksichtigen.

Die wichtigsten Neuerungen

  • Trifaroten: Das äußerlich angewendete Retinoid der vierten Generation kann als Alternative zu den bisherigen Retinoiden erwogen werden – für Akne im Gesicht und am Oberkörper sowie für die Langzeitbehandlung.
  • Spironolacton für Frauen: Der Wirkstoff hemmt die Wirkung männlicher Hormone und ist neu als Option bei anhaltender oder hormonell beeinflusster Akne aufgenommen. Für Akne ist er in Europa nicht zugelassen (Off-Label-Einsatz). Infrage kommt er vor allem, wenn andere innerlich wirkende Mittel nicht geeignet sind oder eine Langzeitstrategie nötig ist.
  • Weniger Antibiotika: Von einer alleinigen Behandlung mit Antibiotika-Cremes rät die Leitlinie ab. Tabletten wie Doxycyclin sollen bei mittelschwerer bis schwerer entzündlicher Akne gezielt und in Kombination mit anderen Mitteln eingesetzt werden – nur in Ausnahmefällen länger als drei Monate, um Resistenzen zu vermeiden.
  • Neue Kapitel: Erstmals gibt es eigene Abschnitte zu Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln, zur Spätakne (Acne tarda), zur seltenen schweren Acne fulminans, zur Akne im Kindesalter und zur Aufklärung der Betroffenen.

Zusätzlich ist in Deutschland seit Juni 2026 der hormonell wirkende Creme-Wirkstoff Clascoteron erhältlich. Eine konkrete Empfehlung dazu enthält die Leitlinie bislang noch nicht.

Welche Mittel nachweislich wirken

Laut gesundheitsinformation.de, dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gelten vor allem Benzoylperoxid, Retinoide und Antibiotika als wirksam. Für viele andere Angebote fehlt dagegen ein Wirksamkeitsnachweis.

BehandlungWofür geeignetBis zur WirkungWichtig zu wissen
Benzoylperoxid (Gel, Creme)leichte bis mittelschwere Akneeinige Wochenrezeptfrei; 2,5 % wirkt nicht schlechter als 10 %, reizt aber weniger; kann Textilien und Haare bleichen
Retinoide zum Auftragen (z. B. Adapalen, Tretinoin, Trifaroten)entzündliche und nicht entzündliche Akneeinige Wochenrezeptpflichtig; anfangs Rötung und Brennen möglich; nicht in Schwangerschaft und Stillzeit
Antibiotika zum Auftragenentzündliche Akneoft 3–6 Monatenur kombiniert mit Benzoylperoxid oder Retinoid, nicht dauerhaft
Antibiotika-Tabletten (z. B. Doxycyclin)mittelschwere bis schwere entzündliche AkneWochen bis Monatemöglichst nicht länger als drei Monate, Resistenzgefahr
Hormonpräparate (bestimmte „Pillen“)Akne bei Mädchen und FrauenWochen bis Monatein Deutschland sind drei Östrogen-Gestagen-Kombinationen für Akne zugelassen; Thromboserisiko beachten
Isotretinoin-Tablettenschwere Akne, Narbenrisiko, fehlendes Ansprechen auf andere Mittel–sehr wirksam, aber viele Nebenwirkungen; strikte Verhütung nötig

Isotretinoin: wirksam, aber kein leichtes Mittel

Isotretinoin gehört zu den wirksamsten Mitteln und führt häufiger zu einem längerfristigen Abklingen der Akne. Typisch sind trockene Haut, Lippen und Augen sowie Kopf-, Gelenk- und Rückenschmerzen. Weil der Wirkstoff schwere Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen kann, ist eine Schwangerschaft während der Behandlung ausgeschlossen: Frauen brauchen mindestens eine, besser zwei Verhütungsmethoden – und das noch mindestens vier Wochen nach Therapieende. Stimmungsschwankungen sollten Sie ärztlich ansprechen.

Licht und Laser: eher Ergänzung

Lichttherapien sind nach aktuellem Wissensstand meist nur als Ergänzung zu Medikamenten sinnvoll. Für blaues Licht deuten Studien auf eine kurzfristige Besserung hin, die Ergebnisse sind aber sehr unsicher. Laser können entzündliche Akne kurzfristig bessern, der langfristige Nutzen ist unklar. Von UV-Bestrahlung wird abgeraten – auch ein Solarium ist keine Alternative.

Ernährung, Pflege und Alltag

Ob die Ernährung Akne beeinflusst, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Diskutiert werden vor allem Lebensmittel, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen, etwa Süßigkeiten oder Weißbrot. Ob ein Verzicht darauf – oder auf Milch und Schokolade – das Hautbild verbessert, ist nicht belegt. Strenge Diäten sind daher kein Ersatz für eine Behandlung. Wichtig zu wissen: Akne ist nicht selbst verschuldet. Hauptursache sind die Hormone der Pubertät, nicht mangelnde Hygiene.

Tipps für die Hautpflege

  • Sanft reinigen: Seifenfreie Reiniger mit hautfreundlichem pH-Wert (um 5,5) reizen weniger als normale Seife.
  • Leichte Pflege wählen: Öl-in-Wasser-Lotionen oder Hydrogele sind besser geeignet als fettreiche Cremes, die Poren verstopfen können.
  • Weniger ist mehr: Ständig neue Produkte und Peelings können die Akne eher verstärken.
  • Finger weg: Ausdrücken kann Entzündungen in die Tiefe treiben und Narben begünstigen. Pickel lassen sich in Hautarztpraxen oder medizinischen Kosmetikstudios hygienisch öffnen.
  • Sonnenschutz nutzen: Sonne und Solarium bessern Akne nicht, schaden aber der Haut. Unter 18 Jahren ist das Solarium in Deutschland ohnehin verboten.
  • Geduld haben: Die meisten Mittel müssen über Wochen bis Monate angewendet werden, bevor sich die Haut sichtbar bessert.

Tipp: Lassen Sie ausgeprägte oder belastende Akne früh hautärztlich behandeln. Laut DDG erhöht die Selbstbehandlung das Risiko für bleibende Narben und dunkle Flecken nach Entzündungen. Wenn die Akne Sie seelisch stark belastet, ist auch das ein guter Grund, ärztliche Hilfe zu suchen.

Fazit

Die neue Leitlinie bringt mehr Individualität in die Aknetherapie, neue Optionen wie Trifaroten und Spironolacton sowie einen bewussteren Umgang mit Antibiotika. Bewährte Mittel wie Benzoylperoxid und Retinoide bleiben die Basis – vorausgesetzt, man wendet sie geduldig an. Welche Behandlung für Sie passt, klären Hautärztinnen und Hautärzte in Ihrer Nähe. Ergänzend unterstützen Kosmetikstudios mit Schwerpunkt Akne und Hautbild bei Pflege und Ausreinigung – beides finden Sie in unserem Verzeichnis.

Quellen

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