Wenn der Druck nicht stimmt: Zu hoher und zu niedriger Blutdruck im Blick

Fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat einen bekannten Bluthochdruck – und nicht alle Betroffenen wissen von ihren erhöhten Werten. Niedriger Blutdruck ist dagegen meist harmlos, kann aber im Alltag belasten. Welche Werte heute gelten, wie Sie zu Hause richtig messen und wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten.

McGesund-Redaktion · Veröffentlicht am · Zuletzt aktualisiert am

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Wenn der Druck nicht stimmt: Zu hoher und zu niedriger Blutdruck im Blick
Inhaltsverzeichnis

Der Blutdruck ist ein unsichtbarer Begleiter: Solange er stimmt, bemerken wir ihn kaum. Gerät er aus dem Gleichgewicht, kann das jedoch spürbare Folgen haben – oder, wie beim Bluthochdruck, jahrelang still Schaden anrichten. Weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Todesursachen zählen, lohnt es sich, die eigenen Werte zu kennen. Hier erfahren Sie, welche Grenzwerte heute gelten, wie Sie zu Hause richtig messen und was bei zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck hilft.

Was der Blutdruck eigentlich misst

Mit jedem Herzschlag pumpt das Herz Blut in die Arterien. Der Blutdruck beschreibt, mit welcher Kraft das Blut dabei auf die Gefäßwände drückt. Gemessen werden zwei Werte in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg):

  • Systolischer Wert (oberer Wert): der Druck, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut auswirft.
  • Diastolischer Wert (unterer Wert): der Druck, wenn das Herz entspannt und sich wieder mit Blut füllt.

Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf ganz natürlich – durch Bewegung, Stress, Kaffee oder Schlaf. Entscheidend ist daher nie ein einzelner Messwert, sondern der Durchschnitt mehrerer Messungen.

Die wichtigsten Werte im Überblick

FrageAntwort
Ab wann gilt Bluthochdruck (Praxismessung)?ab 140/90 mmHg
Ab wann gilt Bluthochdruck (Selbstmessung zu Hause)?ab 135/85 mmHg im Durchschnitt
„Erhöhter Blutdruck“ nach ESC-Leitlinie 2024120–139 mmHg systolisch bzw. 70–89 mmHg diastolisch
Zielbereich unter Medikamenten (ESC 2024, wenn gut verträglich)systolisch 120–129 mmHg
Wie häufig ist Bluthochdruck?Fast jeder dritte Erwachsene hat einen ärztlich diagnostizierten Bluthochdruck, ab 65 Jahren fast zwei Drittel
Wann spricht man von orthostatischer Hypotonie?wenn der Blutdruck kurz nach dem Aufstehen stark abfällt; betroffen sind meist Menschen über 65

Wichtig: Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) ist mit ihrer Leitlinie von 2024 strenger als die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie Hypertonie von 2023. Diese sieht einen Zielwert von 140/90 mmHg als ideal an und empfiehlt, Zielwerte individuell in einem Korridor von 120/70 bis 160/90 mmHg festzulegen. Welcher Wert für Sie persönlich richtig ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wenn der Blutdruck zu hoch ist

Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck – medizinisch Hypertonie – ist tückisch, weil er oft lange keine Beschwerden macht. Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Erkrankung. Dabei belastet er die Gefäße und erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden. Über Jahre kann er außerdem zu Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder einer koronaren Herzkrankheit führen.

Häufige Ursachen und Risikofaktoren

Meist lässt sich keine einzelne Ursache finden. Oft spielen Lebensgewohnheiten eine Rolle: wenig Bewegung, viel Salz, Übergewicht, viel Alkohol und anhaltender Stress. Hinzu kommen erbliche Veranlagung und höheres Alter. Seltener steckt eine andere Erkrankung dahinter, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine verengte Nierenarterie; auch manche Medikamente wie bestimmte Schmerzmittel, abschwellende Nasensprays oder östrogenhaltige Verhütungsmittel können den Blutdruck erhöhen. Beschwerden treten meist erst bei sehr hohen Werten auf, etwa Schwindel oder Sehstörungen. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf Symptome, sondern auf regelmäßige Messungen – besonders, wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Ihrer Familie vorkommen.

Was die Leitlinie zum Lebensstil empfiehlt

Die ESC-Leitlinie 2024 rät allen Menschen mit erhöhtem Blutdruck oder Bluthochdruck zu Änderungen im Alltag. Bei bestätigtem Bluthochdruck kommen meist zusätzlich Medikamente hinzu – über eine Behandlung entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

  • Salz reduzieren: höchstens 2 Gramm Natrium pro Tag, das entspricht etwa 5 Gramm Kochsalz oder einem Teelöffel.
  • Mehr Kalium: etwa 0,5 bis 1 Gramm mehr pro Tag, zum Beispiel über Obst und Gemüse – bei Nierenerkrankungen nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Ausgewogen essen: etwa mediterran oder nach dem DASH-Prinzip; zuckerhaltige Getränke und Alkohol möglichst einschränken.
  • Bewegen: mehr als 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche oder 75 Minuten intensives Training verteilt auf drei Tage.
  • Rauchstopp: Aufhören lohnt sich in jedem Alter.

Der umgekehrte Fall: niedriger Blutdruck

Niedriger Blutdruck – medizinisch Hypotonie – ist meist weniger gefährlich, kann aber im Alltag belasten. Typisch sind Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, kalte Hände und Füße, morgendliche Anlaufschwierigkeiten oder Schwindel. Häufig betroffen sind junge Frauen und Schwangere. Laut DAK ist niedriger Blutdruck meist erblich bedingt und in der Regel keine Gefahr für die Gesundheit; Medikamente sind nur selten nötig. Weil er aber auch auf eine Erkrankung etwa des Herzens oder der Schilddrüse hinweisen kann, ist eine ärztliche Abklärung bei anhaltenden Beschwerden sinnvoll.

Schwindel beim Aufstehen

Eine besondere Form ist die orthostatische Hypotonie: Nach dem Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen sackt Blut in die Beine, das Gehirn wird kurzzeitig schlechter durchblutet. Schwindel, Benommenheit, seltener Sehstörungen oder sogar Ohnmacht können die Folge sein; Hinsetzen oder Hinlegen bessert die Beschwerden rasch. Laut dem Gesundheitsportal des Bundes sind meist Menschen über 65 betroffen. Mögliche Auslöser sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Parkinson, Diabetes, Alkohol oder Medikamente – etwa gegen Depressionen oder Bluthochdruck. Bei älteren Menschen kann der Blutdruck außerdem nach dem Essen abfallen.

Was den Kreislauf unterstützt

  • Langsam aufstehen: besonders morgens schrittweise aufrichten und vorher die Wadenmuskeln mehrmals anspannen.
  • Ausreichend trinken: Flüssigkeitsmangel verstärkt die Beschwerden.
  • In Bewegung bleiben: regelmäßige Bewegung und Wechselduschen – Arme und Beine jeweils zum Herzen hin abduschen – regen den Kreislauf an.
  • Hitze meiden: körperliche Anstrengung bei heißem Wetter möglichst vermeiden.
  • Stützstrümpfe: können verhindern, dass zu viel Blut in die Beine sackt.
  • Medikamente prüfen lassen: Sind Arzneimittel der Auslöser, kann ein Präparatwechsel helfen. Setzen Sie Medikamente aber nie eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Treten Schwindel oder Ohnmacht neu, häufig oder sehr stark auf, ist die hausärztliche Praxis die erste Anlaufstelle. Dort werden Blutdruck und Puls im Liegen, im Sitzen, kurz nach dem Aufstehen und etwa eine Minute danach gemessen.

Blutdruck zu Hause messen – aber richtig

Regelmäßige Selbstmessungen helfen, Bluthochdruck früh zu erkennen und eine Behandlung zu begleiten. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt grundsätzlich Geräte für den Oberarm. Handgelenkgeräte sind handlich und gut für Reisen, können aber bei falscher Haltung oder verhärteten Gefäßen ungenau messen. Die Hochdruckliga veröffentlicht eine Liste geprüfter Geräte mit Prüfsiegel – da das Siegel nicht immer auf der Verpackung steht, lohnt sich ein Blick in die Liste.

So messen Sie zuverlässig

  • Feste Zeiten: morgens und abends zur gleichen Uhrzeit messen, morgens vor der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente.
  • Vorher nicht rauchen, kein Kaffee: die erste Tasse erst nach der Messung.
  • Fünf Minuten Ruhe: sitzend, angelehnt, beide Füße flach auf dem Boden.
  • Manschette auf Herzhöhe: Bei Handgelenkgeräten den Unterarm dafür auf einem Kissen auf dem Tisch ablegen.
  • Still sein: während der Messung nicht bewegen, nicht sprechen, kein Fernseher oder Radio.
  • Zweimal messen: im Abstand von mindestens einer Minute.
  • Werte notieren: mit Datum und Uhrzeit aufschreiben oder digital speichern und mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.

Tipp: Prüfen Sie Ihr Gerät gelegentlich in der Arztpraxis oder Apotheke mit einer Vergleichsmessung. Laut Hochdruckliga wird dabei dreimal am selben Arm verglichen; die Abweichungen sollten im Schnitt nicht mehr als plus/minus 10 mmHg betragen.

Fazit

Ob zu hoch oder zu niedrig: Der Blutdruck verdient Aufmerksamkeit. Bluthochdruck bleibt oft lange unbemerkt, lässt sich aber gut erkennen und behandeln – regelmäßiges Messen und ein gesunder Lebensstil sind die wichtigsten Bausteine. Niedriger Blutdruck ist meist harmlos, sollte bei häufigem Schwindel oder Ohnmacht aber abgeklärt werden. Erste Anlaufstelle ist Ihre Hausarztpraxis; bei Herzproblemen helfen Praxen für Kardiologie. Wer in Bewegung kommen möchte, findet in unserem Verzeichnis Angebote für Herz-Kreislauf-Sport.

Quellen

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