Rotwein und Herzinfarktrisiko — eine These im Wandel

Lange galt moderater Rotweinkonsum als möglicher Schutzfaktor für das Herz-Kreislauf-System. 2012 stellte der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Thomas Meinertz, entsprechende Studienergebnisse vor. Die wissenschaftliche Bewertung dieser These hat sich seither deutlich verändert — siehe Einordnung am Ende dieses Artikels.

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Rotwein und Herzinfarktrisiko — eine These im Wandel
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Lange galt moderater Rotweinkonsum als möglicher Schutzfaktor für das Herz-Kreislauf-System. 2012 stellte der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Thomas Meinertz, entsprechende Studienergebnisse vor. Die wissenschaftliche Bewertung dieser These hat sich seither deutlich verändert — siehe Einordnung am Ende dieses Artikels.

Nach dem Herzspezialist könne der maßvolle Genuss von Rotwein einen signifikanten Beitrag dazu leisten, dass Gefäßverkalkung einen erheblich milderen Verlauf nehme oder sogar ganz ausbleibe. Dies liege in erster Linie an den chemischen Wirkungen der Antioxidantien im Wein, welche dazu führten, dass sich der Abbau von Stickstoffmonoxid im menschlichen Körper bzw. im Blut erheblich verlangsame. Positive Folge hiervon sei, dass sich spürbar weniger Ablagerungen in den Gefäßen bildeten und damit die Wahrscheinlichkeit von Infarkten reduziert werde.

Abbau vom schlechten Cholesterin

Darin erschöpfe sich der Effekt von maßvoll genossenem Rotwein jedoch noch nicht. Vielmehr sei der Einfluss des Rebensaftes auf die Blutfette gleichermaßen hervorzuheben, so Meinertz weiter. Insbesondere werde das gefürchtete "schlechte Cholesterin" zurückgedrängt, was bereits für sich betrachtet einen deutlichen Beitrag gegen Aterienverkalkung leiste. Darüber hinaus verdünne konsumierter Alkohol das Blut in größerem Maß, als es andere Flüssigkeiten bewirken könnten. Der hierdurch erzeugte intensivierte Blutfluss dehne überdies die Gefäße und mache sie elastischer.

Wieviel Rotwein ist gesund?

Allerdings warnte der Kardiologe zugleich davor, sich vor dem Hintergrund der medizinisch fundierten Resultate nunmehr einen maßlosen Umgang mit Rotwein schönzureden. Dies würde in unangemessener Weise über das Ziel hinausschießen, weil Alkohol seine positiven Effekte mit steigender Dosis rasch vollständig verliere. Die damalige Empfehlung lag bei rund 20 Gramm Alkohol pro Tag für Männer und ca. 10 Gramm für Frauen. Diese sogenannten „risikoarmen Mengen“ wurden seither nach unten korrigiert — die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt seit 2024 bei Männern wie Frauen einen Verzicht oder maximal sehr geringe Gelegenheitsmengen. Jedoch müsse bedacht werden, dass bei individuell herabgesetzter Verträglichkeit schon diese Ration abträglich wirken könne. Daher verböten sich pauschale Konzepte, vielmehr existiere lediglich ein grober Leitfaden.

Rotwein ersetzt keine gesunde Ernährung!

Im Übrigen dürfe man nicht dem Missverständnis unterliegen, dass ein regelmäßiger Alkoholkonsum zur Gesunderhaltung des Körpers nötig und unabdingbar sei. Eine vollwertige Ernährung mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie eine gesunde Menge an Sport könne nicht einfach durch ein oder zwei tägliche Gläser Wein ersetzt werden.

Für bestimmte Personengruppen müsse im Übrigen generell mit Nachdruck vom Genuss auch nur eines einzigen Glases Rotwein am Tag abgeraten werden. Wer etwa Beschwerden mit den Nieren habe, unter Diabetes leide oder schwanger sei, solle konsequent abstinent bleiben. Denn Alkohol sei nun einmal ein Nervengift, das schwere Schädigungen des Organismus verursachen könne.

Stand 2024 — die wissenschaftliche Bewertung hat sich verändert

Die im Artikel beschriebene Schutzwirkung von Rotwein („French Paradox“, J-Kurve) gilt inzwischen als überholt. Mehrere Re-Analysen — insbesondere die GBD-Studie 2018 im Lancet — zeigten, dass die früheren Studien systematisch verzerrt waren: in der „abstinenten“ Vergleichsgruppe befanden sich häufig ehemalige Trinker mit bereits bestehenden Erkrankungen, wodurch moderate Trinker scheinbar gesünder wirkten.

Die WHO erklärte 2023 in einer Stellungnahme im Lancet Public Health, dass keine für die Gesundheit unbedenkliche Alkoholmenge belegbar sei. Schon kleine Mengen erhöhen das Risiko für mehrere Krebsarten (Mund-, Rachen-, Speiseröhren-, Leber- und weiblicher Brustkrebs). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat ihre Empfehlung 2024 entsprechend angepasst und rät von jeder Menge Alkohol als gesundheitsförderliches Mittel ab.

Die in Rotwein enthaltenen Polyphenole und Antioxidantien (u. a. Resveratrol) lassen sich über Trauben, Beerenobst, Nüsse und Olivenöl in gesundheitlich unbedenklicher Form aufnehmen.

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