Kosmetik führt die EU-Warnliste an: Jedes dritte gemeldete gefährliche Produkt ist ein Kosmetikartikel

Mit rund 4.670 Warnmeldungen hat das EU-Schnellwarnsystem Safety Gate 2025 einen Rekord erreicht – und Kosmetik ist mit 36 Prozent die größte Gruppe. Meist geht es um einen verbotenen Duftstoff. Was hinter den Zahlen steckt, warum Online-Marktplätze ein Problem bleiben und wie Sie Kosmetik sicher einkaufen.

VerbraucherschutzInhaltsstoffeOnline-ShoppingProduktsicherheit
Kosmetik führt die EU-Warnliste an: Jedes dritte gemeldete gefährliche Produkt ist ein Kosmetikartikel
Inhaltsverzeichnis

Duschgel, Deo, Parfüm, Nagellack: Kosmetik gehört zum Alltag – und ist zugleich die Produktgruppe, vor der in Europa am häufigsten gewarnt wird. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht des EU-Schnellwarnsystems Safety Gate, den die Europäische Kommission vorgestellt hat.

Rekord bei den Warnmeldungen

Über Safety Gate informieren sich die Behörden der EU-Staaten gegenseitig über gefährliche Verbraucherprodukte, die keine Lebensmittel sind. Die wichtigsten Zahlen für 2025:

KennzahlWert
Warnmeldungen insgesamtrund 4.670 – so viele wie nie seit dem Start 2003
Veränderung zum Vorjahr+13 % (mehr als doppelt so viele wie 2022)
Anteil Kosmetik36 % – größte Produktgruppe
Anteil Spielzeug16 %
Anteil Elektrogeräte11 %
Häufigstes Risikogefährliche Chemikalien (53 %)
Folgemaßnahmen der Behörden5.794 (+35 %)

Mehr als jede dritte Warnung betrifft also ein Kosmetikprodukt. Und bei Kosmetik geht es fast immer um die Inhaltsstoffe.

Ein verbotener Duftstoff vorn

Fast acht von zehn Warnmeldungen zu Kosmetik betrafen laut EU-Kommission den synthetischen Duftstoff BMHCA, bekannt unter dem Namen Lilial. Er ist in der EU seit 2022 verboten, weil er die Fortpflanzung schädigen kann. Auf der Verpackung steht er als „Butylphenyl Methylpropional“.

Neu im Bericht: Erstmals meldeten Behörden Nagellacke mit TPO. Der Stoff wurde vor allem in Gel-Nagellacken als Härter verwendet und ist seit 2025 in Kosmetik verboten, ebenfalls wegen möglicher Schäden für die Fortpflanzung.

Online-Marktplätze bleiben eine Lücke

Viele gefährliche Produkte werden online verkauft. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat Daten ausgewertet, die große Plattformen wie Amazon, eBay, Temu, Otto und AliExpress an die EU melden müssen. Allein im November 2025 entfernten sie EU-weit fast 30 Millionen Angebote als unsicher oder verboten. Nur in 759 Fällen verwiesen die Plattformen dabei auf eine konkrete Safety-Gate-Warnung.

Der vzbv fordert deshalb, alle Angebote schon vor der Freischaltung mit den offiziellen Warnungen abzugleichen. „Eine nachgelagerte stichprobenartige Überprüfung der Angebote reicht offensichtlich nicht aus“, sagt vzbv-Vorständin Ramona Pop.

So kaufen Sie Kosmetik sicherer

Die Verbraucherzentrale NRW gibt dazu folgende Tipps:

  • Bei Shops in der EU kaufen: In der EU dürfen nur Kosmetika verkauft werden, für die ein verantwortliches Unternehmen mit Sitz in der EU genannt ist. Bei Bestellungen über Plattformen oder Händler außerhalb der EU ist das Risiko verbotener Inhaltsstoffe höher.
  • Inhaltsstoffliste prüfen: Gute Shops zeigen die vollständige Liste auf der Produktseite. Nach der Lieferung lohnt ein zweiter Blick auf die Packung, denn Rezepturen können sich ändern.
  • Deutsche Kennzeichnung: Anwendung, Verwendungszweck und Warnhinweise müssen auf Deutsch und gut lesbar sein.
  • Vorsicht bei Schnäppchen: Ein Markenparfüm weit unter dem üblichen Preis kann eine Fälschung sein. Auch durchweg begeisterte Bewertungen mit unrealistischen Versprechen sind ein Warnsignal.
  • Chargennummer aufheben: Steht sie nur auf dem Umkarton, bewahren Sie ihn auf, bis Sie das Produkt vertragen haben. Bei Beschwerden oder Hautreaktionen wird sie gebraucht.
  • Profi-Produkte den Profis überlassen: Produkte für Studios und Salons sind oft höher konzentriert und gehören nur in geschulte Hände.

Tipp: Im öffentlichen Safety-Gate-Portal der EU können Sie nach Marke und Produkt suchen und prüfen, ob es eine Warnung gibt.

Fazit

Kosmetik ist in Europa die Produktgruppe mit den meisten Sicherheitswarnungen – meist wegen eines Duftstoffs, der längst verboten ist. Wer bei Händlern in der EU kauft, die Inhaltsstoffe prüft und bei Schnäppchen skeptisch bleibt, ist auf der sicheren Seite. Für Gel-Nägel und Behandlungen lohnt sich der Weg zu Fachleuten: Kosmetikstudios und Nagelstudios in Ihrer Nähe arbeiten mit Profi-Produkten. Bei Hautreaktionen helfen Hautärztinnen und Hautärzte, zu Inhaltsstoffen berät Ihre Apotheke – alle zu finden in unserem Verzeichnis.

Quellen


Foto von Lina Kivaka.

Das könnte Sie auch interessieren