Ebenmäßige Haut, feinere Poren, ein schmaleres Näschen – und das alles aus einer Tablette? Unter Schlagwörtern wie „Glow-up“ wird in sozialen Netzwerken derzeit ein Medikament gehypt, das eigentlich nur für schwere Akne gedacht ist: Isotretinoin. Angefacht wurde der Trend auch durch Äußerungen von Promis wie Model Kendall Jenner. Dermatologinnen und Dermatologen sehen die Entwicklung mit großer Sorge.
Ein starkes Medikament – kein Pflegeprodukt
Isotretinoin ist ein Abkömmling von Vitamin A. Es lässt die Talgdrüsen schrumpfen und drosselt die Talgproduktion. Deshalb ist es bei schwerer, hartnäckiger Akne oft sehr wirksam. In Deutschland ist der Wirkstoff verschreibungspflichtig und nur für schwere Akneformen zugelassen, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen.
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) warnt ausdrücklich davor, Isotretinoin als Lifestyle-Produkt für Schönheitszwecke zu missbrauchen. Gute Hautpflege, so die Fachleute, lässt sich nicht durch Tabletten ersetzen.
Diese Risiken werden auf Social Media verschwiegen
| Risiko | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Schwangerschaft | Isotretinoin kann schwere Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen. Während der Einnahme ist eine sichere Verhütung zwingend. |
| Psyche | Bei Menschen mit Depressionen ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung und enge Begleitung nötig. |
| Leber und Blutfette | Die Werte können sich verschlechtern und müssen ärztlich kontrolliert werden. |
| Haut, Lippen, Augen | Sehr häufig: trockene Haut, rissige Lippen, gereizte Augen und ein höheres Sonnenbrandrisiko. |
Wer das Mittel ohne Rezept über dubiose Quellen bezieht, verzichtet auf all diese Kontrollen.
Auch „Microdosing“ ist nicht harmlos
Besonders in den USA werben Influencerinnen und Influencer mit niedrig dosiertem Isotretinoin als sanfter Variante. Laut Stiftung Warentest ist auch das keine sichere Lösung: Ernste Nebenwirkungen bleiben möglich, und je länger die Einnahme, desto größer das Risiko.
Der Nasen-Mythos
Auf TikTok kursieren Vorher-nachher-Videos, die eine schmalere Nase zeigen sollen. Tatsächlich kann die Haut über der Nase dünner wirken, weil die Talgdrüsen schrumpfen. Die Knochen- und Knorpelstruktur der Nase verändert Isotretinoin jedoch nicht. Eine „Nasenkorrektur ohne OP“ ist also ein Mythos.
Zudem melden seit Herbst 2025 mehrere Hersteller dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Lieferengpässe. Ein Zusammenhang mit dem Trend ist laut Stiftung Warentest plausibel, aber nicht belegt. Für Menschen mit schwerer Akne, die das Medikament wirklich brauchen, ist das ein Problem.
Was Ihrer Haut wirklich hilft
- Bei Akne ärztlich behandeln lassen: Für leichte bis mittelschwere Akne gibt es wirksame Cremes und Gele. Isotretinoin ist das letzte Mittel, nicht das erste.
- Sanft reinigen: Milde, gründliche Reinigung morgens und abends statt aggressiver Peelings.
- Täglich Sonnenschutz: Ein Lichtschutzfaktor beugt Pigmentflecken und vorzeitiger Hautalterung vor.
- Professionelle Hautpflege: Kosmetikerinnen und Kosmetiker können das Hautbild mit Ausreinigung und passender Pflege verbessern.
- Keine Medikamente aus dem Netz: Verschreibungspflichtige Mittel ohne Rezept zu bestellen, ist riskant – Sie wissen nie, was wirklich in der Packung ist.
Fazit
Isotretinoin ist ein wirksames Medikament gegen schwere Akne – aber kein Beautyprodukt für gesunde Haut. Die versprochenen Effekte sind teils Mythos, die Risiken dagegen real. Wer mit Unreinheiten kämpft, ist bei Hautärztinnen und Hautärzten richtig. Für ein schöneres Hautbild ohne Tabletten helfen Kosmetikstudios mit Schwerpunkt Akne und Hautbild – beides finden Sie in unserem Verzeichnis.
Quellen
- Stiftung Warentest: Wirkstoff Isotretinoin – Gefährlicher Beautytrend: Aknemittel als Glow-up-Wunder (10/2026)
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft: Wissenschaftliche Stellungnahme zum Lieferengpass von Isotretinoin (2026)
Foto von Ivan Babydov.



