Warum reichhaltige Cremes jetzt gefragt sind
Mit sinkenden Temperaturen verändert sich die Haut. Kalte Außenluft und trockene Heizungsluft in Innenräumen entziehen ihr Feuchtigkeit, viele Menschen bemerken Spannungsgefühle, Rötungen oder schuppige Stellen. Gerade im Gesicht, das Wind und Kälte ungeschützt ausgesetzt ist, greifen viele deshalb ab Herbst zu fetthaltigeren Pflegeprodukten. Genau diese Produktgruppe hat Öko-Test für das Magazin Oktober 2026 (erschienen am 24. September 2026) unter die Lupe genommen.
Das Ergebnis im Überblick
Getestet wurden 32 reichhaltige Gesichtscremes. Die Preise reichten laut Öko-Test von 1,65 Euro bis 51,67 Euro pro 50 Milliliter.
| Kennzahl | Ergebnis laut Öko-Test |
|---|---|
| Getestete Produkte | 32 reichhaltige Gesichtscremes |
| Gesamturteil „sehr gut“ | 12 Produkte |
| Preisspanne (pro 50 ml) | 1,65 € bis 51,67 € |
| Günstigste „sehr gute“ Creme | 1,65 € pro 50 ml |
| Produkte mit zusätzlichem Umkarton | mehr als 75 Prozent |
| Hersteller ohne Umkarton | 6 |
| Hersteller mit vollständigen, produktbezogenen Wirksamkeitsstudien | 3 |
Das auffälligste Ergebnis: Ein hoher Preis ist kein Qualitätsmerkmal. Öko-Test schreibt, es seien „vor allem teure Gesichtscremes, die in unserem Test nicht überzeugen“. Gleichzeitig schaffte es eine Creme für 1,65 Euro unter die Testsieger.
Diese Inhaltsstoffe hat Öko-Test kritisiert
Das beauftragte Labor fand in mehreren Produkten Stoffe, die Öko-Test in seiner Bewertung abwertet. Die wichtigsten Kritikpunkte:
- Synthetischer Moschusduft (Galaxolid): Polyzyklische Moschusverbindungen reichern sich laut Öko-Test im Fettgewebe an; die Tester verweisen auf Verdachtsmomente für hormonelle Wirkungen und Leberschäden. Besonders brisant: Der Stoff steckte unter anderem in einem zertifizierten Naturkosmetik-Produkt, obwohl synthetische Duftstoffe dort nicht erlaubt sind. Öko-Test kommentiert: „So etwas darf nicht passieren.“
- Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): Mineralölbasierte Fette wie Paraffine können damit verunreinigt sein. Die Stoffgruppe kann auch krebserregende Verbindungen enthalten.
- Chlorphenesin: ein Konservierungsmittel, dem Öko-Test ein allergieauslösendes Potenzial zuschreibt.
- Allergene Duftstoffe: etwa Isoeugenol oder Cinnamylalkohol.
- PEG und PEG-Derivate: Sie können die Haut nach Einschätzung von Öko-Test durchlässiger für Fremdstoffe machen.
- Weitere Kritikpunkte: unter anderem Diethylphthalat und synthetische Polymere.
Einordnung: Was sagt das BfR zu Mineralöl in Kosmetik?
Mineralöle stehen auf der Verpackung zum Beispiel als Paraffinum liquidum, Paraffin, Cera Microcristallina oder Petrolatum. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält gesundheitliche Risiken durch die Aufnahme über die Haut nach derzeitigem Kenntnisstand für nicht zu erwarten. Gleichzeitig weist es auf Datenlücken hin, vor allem bei einer möglichen Aufnahme über den Mund, etwa durch Lippenprodukte. Weil die gemessenen MOAH-Gehalte zwischen einzelnen Produkten stark schwanken, empfiehlt das BfR den Herstellern, diese Anteile zu minimieren. Wer Mineralöl meiden möchte, findet in der Inhaltsstoffliste also klare Anhaltspunkte.
Anti-Aging-Versprechen und Lichtschutz
Viele reichhaltige Cremes werben mit straffender oder faltenmindernder Wirkung. Öko-Test hat die Hersteller nach Belegen gefragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: „Nur drei Hersteller legten überhaupt vollständige, produktbezogene Studien vor“, und auch diese belegen aus Sicht der Tester nicht ausreichend einen Vorteil gegenüber einer einfachen Creme.
Auch beim Thema UV-Schutz rät Öko-Test zu einem anderen Vorgehen: Statt sich auf den meist niedrigen Lichtschutzfaktor einer Tagescreme zu verlassen, solle man täglich den UV-Index prüfen und bei Bedarf eine richtige Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auftragen. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt ab einem UV-Index von 3 Schutzmaßnahmen und weist darauf hin, dass Schnee UV-Strahlung reflektiert – die tatsächliche Belastung kann dann höher sein als der angegebene Wert. Für Wintersport in den Bergen ist Sonnenschutz also weiterhin ein Thema.
Gesichtspflege in der kalten Jahreszeit: praktische Tipps
| Situation | Was helfen kann |
|---|---|
| Spannende, trockene Haut | fetthaltigere Pflege; Inhaltsstoffe wie Urea (Harnstoff) können die Feuchtigkeitsbindung unterstützen |
| Heizungsluft im Innenraum | Pflege bei Bedarf häufiger auftragen, z. B. zweimal statt einmal täglich |
| Reinigung und Duschen | kurz und nicht zu heiß; rückfettende Produkte statt stark entfettender Reiniger |
| Rissige Lippen | Lippenpflege mehrmals täglich; bei Wintersport mit hohem Lichtschutzfaktor |
| Aufenthalt im Schnee oder in den Bergen | separaten Sonnenschutz nutzen, UV-Index beachten |
Zusätzlich lohnt sich beim Kauf ein Blick auf die Inhaltsstoffliste:
- Preis nicht überbewerten: Der Test zeigt, dass gute Pflege nicht teuer sein muss.
- Duftstoffe prüfen: Wer zu Kontaktallergien neigt, fährt mit parfümfreien Produkten oft besser.
- Siegel kritisch sehen: Auch ein Naturkosmetik-Siegel schließt Fehler in einzelnen Produkten nicht aus.
- Werbeversprechen hinterfragen: „Anti-Falten“ ist ein Marketingbegriff, kein geprüfter Wirknachweis.
- Verpackung bedenken: Produkte ohne Umkarton sparen Müll.
Fazit
Der aktuelle Öko-Test zeigt: Für eine gut verträgliche, reichhaltige Gesichtscreme muss niemand tief in die Tasche greifen. Entscheidend sind die Inhaltsstoffe, nicht Preis oder Werbeversprechen. Wer im Winter zu trockener oder empfindlicher Haut neigt, kann die eigene Pflege in einem Kosmetikstudio in der Nähe analysieren und anpassen lassen. Bei anhaltenden Rötungen, Juckreiz, Ekzemen oder dem Verdacht auf eine Unverträglichkeit ist eine Hautarztpraxis die richtige Anlaufstelle. Passende Anbieter in Ihrer Region finden Sie im McGesund-Verzeichnis.
Foto von Sora Shimazaki.



