Die neuen Zahlen im Überblick
RKI: Vier von zehn Erwachsenen schlafen werktags zu kurz
Im August 2026 hat das Robert Koch-Institut (RKI) im Journal of Health Monitoring eine Auswertung der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2023) veröffentlicht. Grundlage sind telefonische Angaben von rund 8.000 Erwachsenen, die zwischen Mai 2023 und Februar 2024 befragt wurden. Aus der üblichen Zubettgeh-, Einschlaf- und Aufwachzeit wurde die Schlafdauer berechnet. Als „kurz“ gilt nach internationalen Empfehlungen ein Schlaf von weniger als sieben Stunden.
| Gruppe | Unter 7 Stunden (werktags) | Unter 7 Stunden (Wochenende) |
|---|---|---|
| Erwachsene insgesamt | 39,6 % | 22,7 % |
| Frauen | 36,2 % | 20,0 % |
| Männer | 43,2 % | 25,5 % |
| Männer 45–64 Jahre | 53,0 % | 30,8 % |
| Frauen 45–64 Jahre | 42,1 % | 21,1 % |
Auffällig: Am Wochenende schlafen vor allem Jüngere deutlich länger. Ab 65 Jahren gibt es dagegen kaum Unterschiede zwischen Werktag und Wochenende. Die Autorinnen weisen darauf hin, dass längerer Schlaf am Wochenende keinen Ersatz für ausreichenden, regelmäßigen Schlaf darstellt.
AOK-Umfrage: Stress als Schlafräuber Nummer eins
Eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes, veröffentlicht am 1. Oktober 2026, kommt zu einem ähnlichen Bild – mit teils noch höheren Werten:
- 69 Prozent der Befragten gaben an, weniger als sieben Stunden pro Nacht zu schlafen, nur rund 30 Prozent erreichen die empfohlenen sieben bis neun Stunden.
- 58 Prozent berichten von Schlafproblemen in den vergangenen drei Monaten – Frauen (64 Prozent) häufiger als Männer (52 Prozent).
- Am häufigsten genannt wurden Durchschlafprobleme (78 Prozent der Betroffenen), gefolgt von Einschlafproblemen (52 Prozent) und frühem Erwachen (43 Prozent).
- Als Ursache nannten 63 Prozent Stress oder psychische Belastungen, gefolgt von körperlichen Beschwerden (38 Prozent) und der Raumtemperatur (36 Prozent). Bei den 18- bis 29-Jährigen spielte zudem die Nutzung digitaler Medien vor dem Schlafengehen eine große Rolle (45 Prozent).
- Rund zwei Drittel der Betroffenen fühlen sich tagsüber müde und erschöpft.
Wichtig zur Einordnung: Beide Erhebungen beruhen auf Selbstauskünften, nicht auf Messungen im Schlaflabor. Unterschiedliche Fragen und Methoden erklären, warum die Werte voneinander abweichen. Das RKI weist außerdem darauf hin, dass für manche Erwachsene auch etwas kürzere Schlafdauern noch angemessen sein können. Schlafqualität, Tagesmüdigkeit oder Schlafunterbrechungen wurden in der RKI-Auswertung nicht erfasst.
Warum ausreichend Schlaf so wichtig ist
Schlaf ist eine Grundvoraussetzung für Gesundheit. Übersichtsarbeiten, auf die sich das RKI bezieht, bringen dauerhaft kurzen Schlaf mit einem höheren Risiko für Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Auch für Angststörungen und Depressionen gilt kurzer Schlaf als eigenständiger Risikofaktor. Dabei handelt es sich überwiegend um Zusammenhänge aus Beobachtungsstudien: Nicht jeder, der einmal schlecht schläft, wird deshalb krank – wer aber über längere Zeit zu wenig schläft, sollte das ernst nehmen.
Entspannung: Was die Leitlinie dazu sagt
Wenn Stress der wichtigste Schlafräuber ist, liegt der Gedanke an Entspannung nahe. Die aktuelle S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ (2025) empfiehlt bei einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung als erste Behandlungsoption die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Entspannungsmethoden sind dort ein fester Baustein – neben Wissensvermittlung rund um den Schlaf, festen Bettzeiten und Regeln für den Umgang mit dem Bett.
Häufig eingesetzt werden:
- Progressive Muskelentspannung nach Jacobson – bewusstes An- und Entspannen einzelner Muskelgruppen
- Autogenes Training – Entspannung durch innere Formeln wie „Mein Arm ist ganz schwer“
- Imaginations- und Atemübungen – etwa ruhiges, verlängertes Ausatmen oder Fantasiereisen
Laut Leitlinie gibt es keine überzeugenden Hinweise, dass eine bestimmte Methode den anderen klar überlegen ist. Entscheidend ist, eine Technik zu finden, die zu Ihnen passt, und sie regelmäßig zu üben. Ruhige Bewegungsformen wie Yoga, Tai-Chi oder Qigong sowie Spaziergänge am Abend werden ebenfalls als hilfreich genannt. Zurückhaltend ist die Leitlinie dagegen bei manchen beliebten Wellness-Anwendungen: Aromatherapie und Fußreflexzonenmassage werden zur Behandlung einer Insomnie ausdrücklich nicht empfohlen. Als wohltuende Auszeit können sie trotzdem ihren Platz haben – sie ersetzen aber keine Therapie.
Besser schlafen: Gewohnheiten für den Herbst
| Bereich | Empfehlung |
|---|---|
| Schlafzimmer | Kühl, ruhig und abgedunkelt; viele empfinden 16 bis 18 Grad als angenehm |
| Rhythmus | Möglichst regelmäßige Zubett- und Aufstehzeiten, auch am Wochenende |
| Koffein | Nach dem Mittagessen auf Kaffee, Schwarztee und Cola verzichten |
| Alkohol | Weitgehend meiden und keinesfalls als „Schlafmittel“ nutzen |
| Abendessen | Keine schweren Mahlzeiten am späten Abend |
| Licht & Bildschirme | Helles, aktivierendes Licht vor dem Zubettgehen vermeiden |
| Ritual | Ein persönliches Einschlafritual, z. B. eine kurze Entspannungsübung |
| Nachts | Nicht auf Wecker oder Uhr schauen |
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Eine schlechte Nacht hat jeder einmal. Von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung spricht man, wenn Ein- oder Durchschlafprobleme über mindestens einen Monat an mehr als drei Nächten pro Woche auftreten und den Alltag beeinträchtigen. Dann sollten Sie Ihre Hausarztpraxis aufsuchen. Abklärungsbedürftig sind außerdem lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, starke Tagesmüdigkeit oder Schlafprobleme im Zusammenhang mit Schmerzen oder seelischer Belastung. Schlaf- und Beruhigungsmittel sollten nur nach ärztlicher Rücksprache und nicht dauerhaft eingenommen werden.
Fazit
Die neuen Daten von RKI und AOK zeigen: Zu kurzer Schlaf ist in Deutschland weit verbreitet, und Stress ist dabei der am häufigsten genannte Grund. Feste Routinen, ein ruhiges Schlafzimmer und regelmäßig geübte Entspannungsmethoden können helfen, abends leichter abzuschalten. Halten die Probleme länger an, gehört die Abklärung in ärztliche Hände. Kurse für Entspannungsverfahren, Yoga und Achtsamkeit sowie Wellness-Angebote, Massagepraxen und Schlafmediziner in Ihrer Nähe finden Sie in unserem McGesund-Verzeichnis.
Foto von Kampus Production.



