Worum es in der Studie geht
Ein Forschungsteam der University of Sydney und der Monash University (Australien) mit Beteiligung der Universidad Europea de Madrid hat untersucht, wie Schrittzahl und Schritttempo gemeinsam mit der Sterblichkeit zusammenhängen. Die Arbeit mit dem Titel „Combinations of stepping intensity and daily step counts against all-cause and cardiovascular disease mortality“ erschien im September 2026 im British Journal of Sports Medicine (Erstautorschaft: L. Wei, Seniorautor: Emmanuel Stamatakis).
Grundlage sind Daten aus der UK Biobank, einer großen britischen Langzeitstudie. Die Teilnehmenden trugen zwischen 2013 und 2015 sieben Tage lang einen Bewegungssensor am Handgelenk. Anschließend wurde über durchschnittlich rund acht Jahre erfasst, wer verstarb.
| Eckdaten der Studie | Wert |
|---|---|
| Teilnehmende (Analyse Gesamtsterblichkeit) | 64.743 |
| Durchschnittsalter | 61,5 Jahre |
| Todesfälle insgesamt | 1.697 |
| Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen | 502 (in einer Teilgruppe von 70.075 Personen) |
| Messung | Bewegungssensor am Handgelenk, 7 Tage |
| Nachbeobachtung | durchschnittlich ca. 8 Jahre |
Was ist die „Peak-30-Kadenz“?
Um das Gehtempo zu erfassen, nutzten die Forschenden die sogenannte Peak-30-Kadenz (PK30). Gemeint ist die durchschnittliche Zahl der Schritte pro Minute in den 30 aktivsten Minuten eines Tages. Diese Minuten müssen nicht am Stück erfolgen – auch mehrere kurze, zügige Gehphasen über den Tag verteilt fließen ein. Die Schrittzahl teilte das Team in vier Gruppen ein: unter 5.000, 5.000 bis 7.500, 7.500 bis 10.000 und über 10.000 Schritte pro Tag.
Die wichtigsten Ergebnisse
Als Vergleichsgruppe dienten Personen mit weniger als 5.000 Schritten pro Tag und einem sehr niedrigen Gehtempo. Im Vergleich dazu zeigte sich:
- Wenig Schritte, aber zügig: In der Gruppe unter 5.000 Schritten war eine Peak-30-Kadenz von etwa 80 Schritten pro Minute mit einem um rund 28 Prozent geringeren Sterberisiko verbunden.
- Mehr Schritte, aber gemächlich: Bei 5.000 bis 7.500 Schritten war bereits eine Kadenz von etwa 60 Schritten pro Minute mit einem um rund 30 Prozent geringeren Risiko verbunden.
- Das günstigste Ergebnis: Die Gruppe mit 7.500 bis 10.000 Schritten wies insgesamt das niedrigste Risiko auf – am geringsten bei einer Kadenz von etwa 100 Schritten pro Minute (rund 43 Prozent geringeres Risiko).
- Für Herz-Kreislauf-Todesfälle zeigten sich ähnliche Muster.
Die Autorinnen und Autoren folgern, dass sich ein vorzeitiger Tod möglicherweise über verschiedene Kombinationen aus Tempo und Schrittzahl verhindern lassen könnte. Anders gesagt: Ein höheres Tempo bei weniger Schritten kann laut den Daten mit ähnlich günstigen Werten einhergehen wie mehr Schritte in gemächlichem Tempo.
Wichtige Einordnung: Zusammenhang, kein Beweis
So eindrücklich die Zahlen klingen – es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt statistische Zusammenhänge, beweist aber nicht, dass schnelleres Gehen selbst das Leben verlängert. Die Forschenden weisen auf mehrere Einschränkungen hin:
- Umgekehrte Kausalität: Menschen, die (noch unerkannt) krank sind, gehen womöglich langsamer und weniger. Das lässt sich nicht vollständig ausschließen.
- Störfaktoren: Trotz statistischer Bereinigung können andere Lebensumstände das Ergebnis beeinflussen.
- Messgenauigkeit: Sensoren am Handgelenk können Armbewegungen falsch als Schritte zählen oder Schritte mit wenig Armbewegung übersehen.
- Einmalige Messung: Das Bewegungsverhalten wurde nur über eine Woche erfasst.
- Nicht alle Einzelwerte sind sicher: Manche Teilergebnisse, etwa in der Gruppe unter 5.000 Schritten bei 90 Schritten pro Minute, waren statistisch unsicher.
Zudem stammen die Daten von Menschen mittleren und höheren Alters in Großbritannien. Wie gut sich die Ergebnisse auf jüngere Menschen oder andere Länder übertragen lassen, ist offen.
Was das für die Praxis bedeutet
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche sowie muskelkräftigende Übungen. Die neue Studie ersetzt diese Empfehlungen nicht, liefert aber eine ermutigende Botschaft: Wer die 10.000 Schritte im Alltag nicht schafft, kann möglicherweise auch über das Tempo etwas für sich tun. Davon könnten laut den Forschenden etwa Menschen mit wenig Zeit oder mit körperlichen Einschränkungen profitieren.
| Ausgangslage | Mögliche Stellschraube |
|---|---|
| Wenig Zeit, unter 5.000 Schritte | Einzelne Wege bewusst zügig gehen |
| Mittleres Pensum, 5.000–7.500 Schritte | Schrittzahl schrittweise steigern, Tempo variieren |
| Gutes Pensum, 7.500–10.000 Schritte | Täglich einige flotte Gehphasen einbauen |
| Über 10.000 Schritte | Niveau halten, Kraft- und Gleichgewichtstraining ergänzen |
Tipps für die dunkle Jahreszeit
Gerade im Herbst und Winter sinkt bei vielen Menschen die Alltagsbewegung. Diese Ideen helfen, in Schwung zu bleiben:
- Tempo-Intervalle einbauen: Beim Spaziergang immer wieder ein paar Minuten bewusst flotter gehen – so, dass man noch sprechen, aber nicht mehr singen kann.
- Schritte selbst zählen: Wer sein Tempo einschätzen möchte, zählt 15 Sekunden lang die Schritte und multipliziert mit vier.
- Wege nutzen: Treppe statt Aufzug, eine Haltestelle früher aussteigen, Mittagspause für einen kurzen, zügigen Gang.
- Sicher unterwegs: Bei Dunkelheit helle Kleidung oder Reflektoren tragen; bei Nässe und Glätte auf rutschfeste Schuhe achten.
- Indoor-Alternativen: Laufband im Fitnessstudio, Treppensteigen oder Gehen in Einkaufszentren sind bei schlechtem Wetter eine Option.
- Ärztlichen Rat einholen: Wer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkprobleme oder andere Vorerkrankungen hat, sollte die Belastung vorab ärztlich abklären.
Fazit
Die Studie aus Australien rückt eine Größe in den Blick, die bei Schrittzählern oft untergeht: das Gehtempo. Die Daten legen nahe, dass sowohl mehr Schritte als auch zügigere Gehphasen mit einem geringeren Sterberisiko verbunden sind – einen Beweis für eine direkte Wirkung liefern sie jedoch nicht. Die Botschaft für den Alltag bleibt dennoch klar: Jede Bewegung zählt, und ein flotterer Schritt ist ein einfacher Einstieg. Wer Unterstützung beim Training sucht, findet passende Fitnessstudios, Personal Trainer und Physiotherapiepraxen in Ihrer Nähe in unserem Verzeichnis. Mit unserem Kalorien-Rechner, können Sie zudem bei Studios in Ihrer Nähe den Kalorienbedarf berechnen, wenn Sie die Strecke mit dem Rad oder zu Fuß begehen möchten.
Foto von Daniel Reche.



