Gutes Arbeitsklima in Klinik und Pflege: Was Mitarbeiterbefragungen bewirken können

Zeitdruck, Personalmangel, Schichtdienst: Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sind stark gefordert. Regelmäßige, anonyme Mitarbeiterbefragungen helfen, Belastungen sichtbar zu machen und gezielt gegenzusteuern. Was Arbeitgeber dabei rechtlich beachten müssen und was Beschäftigte für ihre eigene Gesundheit tun können.

McGesund-Redaktion · Veröffentlicht am · Zuletzt aktualisiert am

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Gutes Arbeitsklima in Klinik und Pflege: Was Mitarbeiterbefragungen bewirken können
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Über das Gesundheits- und Sozialwesen liest man häufig von Überlastung, Personalmangel und Kündigungswellen. Dass es auch anders geht, zeigen Einrichtungen, die das Arbeitsklima systematisch erfassen und daraus Konsequenzen ziehen. Ein Werkzeug dafür ist die regelmäßige, anonyme Mitarbeiterbefragung. Sie ersetzt keine guten Arbeitsbedingungen – kann aber zeigen, wo es hakt und was bereits gut funktioniert.

Ein Beispiel aus Österreich

Die Barmherzigen Brüder Österreich, ein Ordensträger von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, haben ihre Beschäftigten Anfang 2024 bereits zum sechsten Mal seit 2009 befragt, im Abstand von jeweils drei Jahren. Nach Angaben des Trägers nahmen 5.820 von 8.086 Mitarbeitenden teil, das entspricht einer Rücklaufquote von 72 Prozent. Rund 90 Prozent bewerteten das Arbeitsklima positiv, 92 Prozent gaben an, sich in schwierigen Situationen auf ihre Kolleginnen und Kollegen verlassen zu können. Als Erfolgsfaktoren nannte der Träger eine verlässliche Führungskultur, jährliche Mitarbeitergespräche und die Einbindung der Betriebsräte. Die nächste Befragung ist für 2027 angekündigt.

Solche Zahlen sind Selbstauskünfte eines Arbeitgebers und lassen sich nicht direkt mit anderen Häusern vergleichen. Interessant ist vor allem das Vorgehen: Befragen, Ergebnisse offen vorstellen, gemeinsam Ziele vereinbaren – und nach einigen Jahren überprüfen, ob sich etwas verbessert hat.

Was im Gesundheitswesen belastet

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) nennt typische Stressauslöser in Kliniken, Praxen und Pflege: hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck, eine ungünstige Arbeitsorganisation, unzureichende Kommunikation, Konflikte und fehlende Anerkennung, außerdem ständige Unterbrechungen und fehlende Erholungsmöglichkeiten. Hält eine solche Belastung lange an, kann das die Gesundheit gefährden.

Laut gesundheitsinformation.de, dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), können gerade dauerhafte Über- oder Unterforderung, ständiger Zeitdruck und Konflikte im Kollegium zu einem sogenannten Burnout beitragen. Betroffene fühlen sich erschöpft, gehen innerlich auf Distanz zur Arbeit und sind weniger leistungsfähig.

Der rechtliche Rahmen in Deutschland

In Deutschland ist das Thema nicht freiwillig: Nach § 5 Arbeitsschutzgesetz müssen Arbeitgeber in einer Gefährdungsbeurteilung prüfen, welche Gefährdungen bei der Arbeit bestehen – ausdrücklich auch durch „psychische Belastungen bei der Arbeit“. Eine Mitarbeiterbefragung ist ein mögliches Instrument, um diese Belastungen zu erfassen, neben Workshops oder Gesprächen.

BausteinWorum es geht
Gefährdungsbeurteilung (§ 5 ArbSchG)Pflicht für Arbeitgeber; umfasst auch psychische Belastungen, etwa durch Arbeitsabläufe und Arbeitszeit
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)Maßnahmen für gesündere Arbeitsbedingungen und gesundes Verhalten; eine der drei Säulen des betrieblichen Gesundheitsmanagements
Unterstützung durch KrankenkassenKostenlose Erstberatung über die regionalen BGF-Koordinierungsstellen der Krankenkassen
Steuerfreie GesundheitsleistungenBis zu 600 Euro pro Beschäftigtem und Jahr (§ 3 Nr. 34 EStG), zusätzlich zum Lohn und nur für Leistungen, die den Anforderungen der §§ 20 und 20b SGB V entsprechen
Angebote der BGW (Gesundheitsdienst)u. a. telefonische Krisenberatung für Beschäftigte nach sehr belastenden Situationen, Krisen-Coaching für Führungskräfte, Workshops wie der „Strategietag Psyche“

Das Bundesgesundheitsministerium rät, vorab das Gespräch mit den Beschäftigten zu suchen und festzulegen, in welchen Abständen und mit welchen Instrumenten die Bedarfe erhoben werden.

Was eine gute Befragung ausmacht

Eine Befragung allein verändert noch nichts. Entscheidend ist, was danach passiert. Bewährt haben sich folgende Punkte:

  • Echte Anonymität: Nur wenn niemand Rückschlüsse auf Einzelne ziehen kann, antworten Beschäftigte offen. Externe Dienstleister oder Mindestgruppengrößen bei der Auswertung (keine Ergebnisse für sehr kleine Teams) helfen dabei.
  • Mitbestimmung von Anfang an: Betriebs- oder Personalrat sollten Fragebogen, Ablauf und Maßnahmen mitgestalten. Das schafft Vertrauen und erhöht die Beteiligung.
  • Relevante Themen: Arbeitsorganisation, Führung, Zusammenarbeit im Team, Arbeitszeiten und Dienstpläne, Entwicklungsmöglichkeiten und – im Gesundheitswesen – die Versorgung der Patientinnen und Patienten.
  • Ergebnisse transparent machen: Alle Teams sollten ihre Ergebnisse erfahren und gemeinsam besprechen können.
  • Konkrete Maßnahmen vereinbaren: Wenige, klar benannte Ziele mit Zuständigkeiten und Zeitplan wirken mehr als lange Wunschlisten.
  • Wiederholen und vergleichen: Erst eine Folgebefragung zeigt, ob Maßnahmen tatsächlich angekommen sind.

Was Beschäftigte selbst tun können

Gute Arbeitsbedingungen sind in erster Linie Aufgabe der Arbeitgeber. Trotzdem können Sie einiges für sich tun:

  • Mitmachen: Nehmen Sie an Befragungen teil und bringen Sie sich in Ergebnisrunden ein – nur so fließen Ihre Erfahrungen in Veränderungen ein.
  • Belastung ansprechen: Suchen Sie das Gespräch mit Vorgesetzten oder der Interessenvertretung, bevor sich Probleme verfestigen.
  • Angebote nutzen: Fragen Sie nach Kursen zur Stressbewältigung, Bewegungsangeboten oder Zuschüssen Ihres Arbeitgebers und Ihrer Krankenkasse.
  • Unterstützung nach Krisen: Beschäftigte im Gesundheitsdienst können sich nach belastenden Ereignissen an die Beratungsangebote der BGW wenden.
  • Warnzeichen ernst nehmen: Anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme, innerer Rückzug oder Niedergeschlagenheit sollten Sie ärztlich abklären lassen.

Hinweis: Burnout ist laut gesundheitsinformation.de keine eigenständige Diagnose, und Online-Fragebögen eignen sich nicht, um es festzustellen. Hinter den Beschwerden kann auch eine Depression, eine Angststörung oder eine körperliche Erkrankung stecken, die andere Hilfe braucht. Wenden Sie sich deshalb bei länger anhaltenden Beschwerden an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.

Fazit

Ein gutes Arbeitsklima in Krankenhaus und Pflege ist kein Zufall. Regelmäßige, anonyme Befragungen, die ernst genommen und mit konkreten Maßnahmen verbunden werden, können helfen, psychische Belastungen zu senken und Zusammenhalt zu stärken – davon profitieren am Ende auch Patientinnen und Patienten. Wer selbst unter Druck gerät, findet in unserem Verzeichnis Hilfe, etwa in Praxen für Psychotherapie oder bei Angeboten für Stress- und Burnout-Coaching. Informationen zu Präventionsangeboten gibt Ihre Krankenkasse.

Quellen

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