Gesundheit ist das wichtigste Ernährungsziel
Der Welternährungstag erinnert jedes Jahr am 16. Oktober an die Gründung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im Jahr 1945. Weltweit steht dabei der Kampf gegen Hunger im Mittelpunkt – in Deutschland geht es vor allem um die Frage, wie wir uns gesund ernähren.
Die Bereitschaft dazu ist groß. In der Studie „Nutrition 2026" des Marktforschungsinstituts YouGov, für die im April 2026 das YouGov-Shopper-Panel befragt wurde, gaben 73 Prozent an, sich so ernähren zu wollen, dass sie langfristig gesund bleiben. 75 Prozent wünschen sich, dass sich ihre Ernährung unkompliziert in den Alltag integrieren lässt.
Ein ähnliches Bild zeichnet das Marktforschungsunternehmen Mintel: Laut seinem Report zu Einstellungen zu gesunder Ernährung 2026 versuchen 68 Prozent der Deutschen, sich immer oder meistens gesund zu ernähren – vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 81 Prozent glauben, dass natürliche, wenig verarbeitete Lebensmittel gesünder sind als mit Zusätzen angereicherte Alternativen.
Regeln verderben den Appetit
Gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber starren Vorgaben: Laut YouGov sagt fast jeder Zweite, dass Ernährungsregeln und Verbote den Spaß am Essen verderben. Viele möchten sich ausgewogen ernähren, ohne ständig Kalorien zu zählen oder Lebensmittel komplett zu streichen.
Die Forschenden haben auf Basis von sechs Dimensionen – Genuss, Selbstoptimierung, Gesundheit, Abwechslung, Alltagstauglichkeit und Werteorientierung – sieben Ernährungstypen ermittelt. Für die einen ist Essen vor allem Genuss, für andere Leistungssteigerung, Gesundheitsvorsorge oder schlicht eine Erleichterung im vollen Alltag.
Das zentrale Fazit der Studie: Gesunde Ernährung scheitert seltener am Wissen als an der Umsetzbarkeit. Preisbewusstsein, Zeitmangel und der Wunsch nach Genuss prägen die Entscheidungen im Supermarkt stärker als Food-Trends.
Der Preis als Hürde
Wie stark das Geld eine Rolle spielt, hatte bereits eine Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gezeigt. In der repräsentativen Onlinebefragung von 1.001 Personen (Dezember 2024, veröffentlicht 2025) sagte die Hälfte, gesunde Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse seien oft zu teuer. 44 Prozent mussten sich wegen gestiegener Preise beim Kauf gesunder Lebensmittel oft einschränken – bei Haushalten mit weniger als 2.000 Euro Nettoeinkommen waren es sogar 68 Prozent.
Politische Maßnahmen stießen auf breite Zustimmung:
| Maßnahme | Zustimmung |
|---|---|
| Keine Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte | 91 % |
| Strengere Werbeschranken für Kinderprodukte mit viel Fett, Zucker und Salz | 89 % |
| Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke | 79 % |
Der vzbv fordert unter anderem, die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte abzuschaffen und eine beitragsfreie Kita- und Schulverpflegung einzuführen.
Die DGE-Empfehlungen – einfach erklärt
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat ihre Empfehlungen 2024 grundlegend überarbeitet. Sie berücksichtigen neben der Gesundheit auch Umwelt und Klima – und lassen bewusst Spielraum. Die wichtigsten Punkte:
- Gemüse und Obst: Täglich 5 Portionen, davon 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst. Eine Portion entspricht etwa einer Handvoll.
- Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen oder Kichererbsen mindestens einmal pro Woche.
- Nüsse: Täglich eine kleine Handvoll.
- Vollkorn: Brot, Nudeln und Reis möglichst als Vollkornvariante.
- Milch und Milchprodukte: Täglich 2 Portionen.
- Fisch: Einmal pro Woche.
- Fleisch und Wurst: Wer sie isst, höchstens rund 300 Gramm pro Woche.
- Getränke: Rund 1,5 Liter am Tag, am besten Wasser oder ungesüßter Tee.
So gelingt gesunde Ernährung ohne Verbote
- Hinzufügen statt streichen: Statt Lieblingsgerichte zu verbieten, ergänzen Sie sie – etwa eine Handvoll Gemüse in die Nudelsoße oder einen Salat als Beilage.
- Saisonal und regional einkaufen: Kohl, Kürbis, Rote Bete, Äpfel und Birnen haben im Herbst Saison und sind oft günstig.
- Tiefkühlgemüse nutzen: Es ist preiswert, lange haltbar und enthält oft ähnlich viele Vitamine wie frische Ware.
- Hülsenfrüchte als Sparfuchs: Linsen und Bohnen aus der Dose oder getrocknet sind günstige Eiweißquellen und machen lange satt.
- Vorkochen: Ein größerer Topf Suppe oder Eintopf am Wochenende spart unter der Woche Zeit.
- Genuss bewusst einplanen: Süßes oder ein Stück Kuchen gehören dazu. Wer bewusst genießt, isst oft automatisch weniger.
Hinweis: Bei Vorerkrankungen wie Diabetes, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder starkem Übergewicht ist eine individuelle Ernährungsberatung sinnvoll. Viele Krankenkassen bezuschussen zertifizierte Kurse und Beratungen.
Fazit
Die Menschen in Deutschland wollen gesund essen – aber alltagstauglich, bezahlbar und mit Genuss. Die gute Nachricht: Dafür braucht es keine strengen Diätregeln. Kleine Schritte wie mehr Gemüse, regelmäßig Hülsenfrüchte und Vollkorn bringen bereits viel. Wer Unterstützung möchte, findet Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater, Kochkurse und Gesundheitszentren in Ihrer Nähe in unserem Verzeichnis.
Foto von Maria Verkhoturtseva.



