Gesundheit · Grundlagenartikel
Drogen und deren Auswirkung auf die Gesundheit
Vom etymologischen Ursprung des Begriffs über die WHO-Definition bis zur modernen Neurobiologie und der aktuellen Lage in Deutschland — ein umfassender Überblick, der die drei prägenden Substanzen Alkohol, Cannabis und Kokain einzeln behandelt. Seit 2011 als Definitionsquelle im deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zum Stichwort Droge verlinkt.
Etymologie und Bedeutungswandel des Begriffs
Ursprünglich bezeichnete die Begrifflichkeit Droge, die sich etymologisch aus dem niederländischen droog herleitet, was zu Deutsch trocken bedeutet, dehydrierte Produkte aus Pflanzen. In der niederländischen Kolonialzeit wurden mit Drogen Gewürze aus Übersee gekennzeichnet.
Das niederländische Droog wurde im englischsprachigen Raum zu dem Begriff Drug, woraufhin sich dieser auch im niederländischen Sprachgebrauch in der Neuzeit etablierte und zudem im okzidentalen Sprachraum unterschiedlichste Abwandlungen erfuhr.
Erst in der Neuzeit wurde der Begriff Droge als Kennzeichnung für pharmazeutisch wirkende Stoffe eingeführt, wobei zuvor diese Rubrik an Wirkstoffen allgemein unter den Begriff Medizin zusammengefasst wurde.
Definitionen: WHO versus gesellschaftlicher Kontext
Doch selbst der genauen Kategorisierung von Drogen liegen verschiedenste Deutungsmuster zugrunde. Die Weltgesundheitsorganisation definiert exemplarisch Drogen als Wirkstoffe, die die Funktionalitäten des lebenden Organismus verändern, wobei kausal Nahrungsmittel ausgeschlossen werden.
Gesellschaftlich ist die Definition von Drogen wesentlich expliziter gekennzeichnet. Im sozialen Kontext bezeichnen Drogen Substanzen, die zum Erlangen eines Rausches, beziehungsweise zur Befriedigung einer Abhängigkeit genutzt werden. Besondere Bedeutung spielt bei dieser Definition von Drogen die kurzfristige respektive anhaltende Veränderung der Wahrnehmung.
Da die meisten Rauschmittel zudem pharmazeutisch angewandt wurden, bevor der übermäßige Missbrauch der psychischen respektive physischen Gesundheit der Betroffenen angriff, wird im angelsächsischen Sprachraum nach wie vor Medizin mit dem Begriff drug bedacht.
Genussmittel und Rauschmittel — eine fließende Grenze
Da alle Rauschmittel psychotrope Substanzen sind, aber die Minderheit der psychotropen Stoffe Drogen sind, wird differenziert in der Funktionalität, mit der ein Stoff konsumiert wird, beziehungsweise, in welcher Stärke die Wirkung den Konsumenten trifft. Dabei ist der Übergang zwischen Drogen und Genussmitteln fließend bei der Betrachtungsweise der psychotropen Stoffe.
Dies begründet beispielsweise, dass die meisten konsumierten Drogen Koffein, Nikotin, Alkohol, Betel und Cannabis sind, wobei Alkohol und Tabak die Stoffe sind, die am meisten Tote verzeichnen. Doch da gerade Tabak und Koffein in allen Ländern nicht zu den Rauschdrogen, sondern den Genussmitteln angerechnet werden, finden keinerlei Prohibitionen bei diesen Drogen statt.
Drogen in der Menschheitsgeschichte
Veränderungen des Nervensystems durch Rauschmittel in bestimmten Hirnregionen, die eine veränderte Wahrnehmung des Selbstbildnisses und des Umfeldes bewirken, lassen sich mit Beginn der Menschheitsgeschichte nachweisen. So ist es geläufig, dass Cannabis seit 10 000 Jahren kultiviert wird, die euphorisierenden Auswirkungen der Mohnblume dem Menschen seit 6000 Jahren bekannt sind und der berauschende Effekt von vergorenen Früchten seit je die Zivilisation begleitet.
Moderne Neurobiologie: wie Drogen wirken
Erst durch die modernen Erkenntnisse der Neurobiologie konnten die kausalen Zusammenhänge zwischen der konsumierten Droge und der Veränderung des Systems der Botenstoffe im Gehirn erkannt und erklärt werden. Psychische und physische Abhängigkeit von einer Droge ergeben sich aus der langfristigen Veränderung der natürlichen Ausschüttungen der Transmitter respektive der Übertragungsfähigkeit der Neuronen.
Behandlung der Drogensucht — Substitute und Antagonisten
Aus diesen Feststellungen der modernen Neurobiologie wurden innovative Mittel zur Bekämpfung der Drogensucht entwickelt. Dabei kommt es oftmals zum Einsatz sogenannter Substitute und Antagonisten. Die Suchtstoffe der Drogen werden hierbei durch Mittel kompensiert, die die gleichen Synapsen verwenden. Jedoch hat dieses Vorgehen der Medizin zeitweilig sehr indifferente Resultate für die Gesundheit hervorgebracht.
Drogensucht als anerkannte Krankheit
Wesentlich jedoch ist, dass die Drogensucht von der wissenschaftlichen Medizin nunmehr als Krankheit erachtet wird, wodurch dem Betroffenen eine Hilfestellung durch die Gesellschaft und den staatlichen Institutionen angeboten wird. Dennoch sprechen sich einige gesellschaftliche Akteure vehement gegen die medizinisch angemessene Betreuung von Drogenabhängigen aus und nutzen ihre mediale Stellung, um die Sucht nach bestimmten Drogen weiterhin politisierend zu stigmatisieren.
Aktuelle Lage in Deutschland
Die deutsche Drogen-Realität hat sich in den letzten Jahren spürbar verschoben. Mit dem Cannabisgesetz (CanG) vom 1. April 2024 wurde der Besitz von Cannabis für volljährige Konsumenten teilweise entkriminalisiert: bis zu 25 Gramm im öffentlichen Raum, bis zu 50 Gramm zuhause sowie drei blühende Pflanzen für den Eigenanbau. Seit dem 1. Juli 2024 können sich Konsumenten zusätzlich in nicht-kommerziellen Cannabis-Social-Clubs (Anbauvereinigungen) zusammenschließen. Der Konsum bleibt in Sichtweite von Schulen, Kitas, Spielplätzen und Sportstätten sowie tagsüber in vielen Fußgängerzonen untersagt. Eine erste Evaluation des Gesetzes durch die Bundesregierung läuft seit Herbst 2024; ein Zwischenbericht wird 2026 erwartet, der endgültige Bewertungsbericht 2028. Politisch bleibt das Thema umstritten — eine vollständige Rücknahme stand 2025 im Raum, wurde aber nicht umgesetzt.
Quantitativ dominieren in Deutschland weiterhin die legalen Substanzen Alkohol und Tabak die Drogen-bedingte Mortalität. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) beziffert die jährlich auf Tabakkonsum zurückzuführenden Todesfälle im Tabakatlas 2024 auf rund 127 000 — die mit Abstand höchste Zahl unter allen Suchtmitteln. Alkoholbezogene Todesfälle liegen laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und Deutscher Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) je nach Berechnungsmethode zwischen 40 000 und 74 000 pro Jahr. Die Drogentoten-Statistik des Bundeskriminalamts verzeichnete 2023 insgesamt 2 227 Todesfälle in Verbindung mit dem Konsum illegaler Drogen — ein Rückgang gegenüber dem Höchststand von 2 062 in 2022 wurde nicht erreicht. Die Diskrepanz zur gesellschaftlichen Aufmerksamkeit ist eklatant: pro Drogen-Toten gibt es rund 57 Tabak-Tote und etwa 25 Alkohol-Tote.
Auf der Beratungs- und Behandlungs-Seite hat sich das deutsche Versorgungs-System differenziert: bundesweit über 1 500 ambulante Suchtberatungsstellen (getragen u. a. von Caritas, Diakonie, AWO und kommunalen Trägern), spezialisierte Suchtkliniken, Selbsthilfegruppen (Anonyme Alkoholiker, Narcotics Anonymous, Blaues Kreuz, Guttempler), Substitutionspraxen für Opioid-Abhängige (rund 81 000 Patienten in Substitutionsbehandlung) und niedrigschwellige Drogenhilfe-Projekte. Drogenkonsumräume sind aktuell in sieben Bundesländern erlaubt, mit über 30 aktiven Standorten. Der Zugang ist meist kostenfrei und vertraulich — die gesetzliche Krankenversicherung trägt in den meisten Fällen die Therapie-Kosten der medizinischen Rehabilitation.
Neuere Entwicklungen, die noch nicht abschließend bewertet sind: der starke Anstieg von Einweg-E-Zigaretten („Vapes") bei Jugendlichen führte 2024 zu einem EU-weiten Verbot der nicht-wiederaufladbaren Geräte ab 2026. Lachgas-Konsum als Freizeit-Rauschmittel ist seit 2024 für Minderjährige bundesweit verboten, ein generelles Verkaufsverbot wird diskutiert. Synthetische Opioide vom Fentanyl-Typ haben in Deutschland bisher nicht das nordamerikanische Niveau erreicht, werden aber von Behörden als ernste Bedrohung beobachtet.
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Substanz-Übersicht — drei prägende Beispiele
Die folgenden drei Abschnitte behandeln Alkohol, Cannabis und Kokain im Detail. Sie waren über viele Jahre als eigenständige Unter-Artikel auf McGesund.de geführt und sind 2026 in diesen Hauptartikel überführt worden, damit die Substanzen im Gesamtzusammenhang gelesen werden können. Inhaltlich entsprechen die Sub-Sektionen den jeweiligen Ursprungstexten.
Alkohol — Chemie, Wirkung und Langzeitfolgen
Der chemische Aufbau und die körperliche Wirkungsweise von Alkohol
Der Gesundheit schadende Alkohol ist im Eigentlichen die chemische Substanz Ethanol. Alkohol wird bei der Klassifizierung des Substrats Ethanol nur umgangssprachlich verwendet, wobei sich diese Bezeichnung aus dem Arabischen Al-Kuhl, dem Begriff für Augenschminke, herleitet.
Alkohol hat die Summenformel C2H5OH und gehört den n-Alkanolen, einer Stoffgruppe der organischen Chemie, die sich von den gesättigten Kohlenwasserstoffen ableitet, an. Somit ist Alkohol eine komplette Stoffklasse, wobei Getränke, die einen Rausch aufgrund des Gehalts an Alkohol hervorrufen, im bestimmten Maße Ethanol enthalten.
Reiner Alkohol kann jedoch nicht konsumiert werden, wird jedoch als Desinfektionsmittel, Grundchemikalie der Industrie und organisches Lösungsmittel verwendet. Jedoch kann schon bei einem Gehalt von 50 bis 80 Prozent an Alkohol die Hülle von Bakterien zerstört werden, was zum Zelltod führt.
Solche hohen Konzentrationen sind jedoch nur durch Destillation möglich. Im Eigentlichen ist Alkohol ein natürliches Produkt, das durch Gärung von Glucose, wie beispielsweise bei reifen Säften, Früchten und Gemüse, entsteht. Der Konsum der Droge Alkohol ist aus dieser Gewinnung der Menschheit seit Entstehungszeiten bekannt.
Der deutsche Evolutionstheoretiker Josef Helmut Reichholf vertritt sogar die These, dass die Sesshaftigkeit und der Beginn des Ackerbaus aus Mangel an der Verfügbarkeit an dem alkoholischen Honigweins Met begonnen wurde. Kulturwissenschaftler vermuten, dass seit etwa 1000 nach Christus das Prinzip der Destillation von Alkohol in der Türkei entwickelt wurde.
Dabei wird der Gehalt des Alkohols durch Reduzierung über den durch Gärung erreichbaren Gehalt von 19 Prozent Alkohol bis auf 100 Prozent überschritten. Alkohol ist sowohl eine psychotrope Substanz, sprich ein Genussmittel, wie auch die global am weitesten verbreitete Droge. Aufgrund seiner stimulierenden und stimmungserhellenden Wirkungsweise ist der Alkohol in den meisten Gesellschaften geschätzt, wobei jedoch der regelmäßige Konsum zur Sucht führt.
Auf der Skala nach dem Potenzial des individuellen und gesellschaftlichen Schadens der verschiedenen Drogen behauptet Alkohol den fünften Rang, wobei der Grad der Abhängigkeit ebenfalls bei dieser Kategorisierung berücksichtigt wird.
Aufnahme, Dosis und Wirkungseintritt
Alkohol wird im Allgemeinen oral in flüssiger Form von Getränken aufgenommen, wobei diese Substrate bis zu 80 Prozent vom Körper aufgenommen werden können. Zwar gibt es durchaus Spirituosen, die bis zu 99 Prozent Alkohol beinhalten, wie beispielsweise Absinth, jedoch können diese nur stark verdünnt und flambiert konsumiert werden.
Die Wirkungsdauer und -stärke wird dabei bestimmt durch die Menge, den Zeitraum des Konsums und den Zustand des Konsumenten. Exemplarisch wird bei nüchternem Magen die Aufnahme von Alkohol durch den Magendarmtrakt in das Blut schneller vollzogen.
Nach dem Konsum dauert das Erreichen des Maximums des Blutalkoholspiegels ungefähr ein bis zwei Stunden, wodurch eine Überschätzung der konsumierten Menge an Alkohol sehr häufig im klinischen Alltag vorkommt.
In geringen Mengen wirkt Alkohol enthemmend und auflockernd, kann jedoch in höherer Dosis zu erhöhter Aggressivität, Risikobereitschaft und, beim männlichen Geschlecht teilweise, zu Potenzstörungen führen. Gerade durch die ersten zwei Beeinträchtigungen ist das Unfallrisiko stark erhöht, was jedoch durch die verminderte Reaktionsfähigkeit verstärkt wird.
Zudem sind seit Urzeiten die Fähigkeiten zum Lindern von Schmerzen und zum Anregen des Schlafes beim Konsum von Alkohol geschätzt, wodurch auftretende Verletzungen leicht kompensiert werden können. Des Weiteren wird der Gleichgewichtssinn empfindlich gestört, wobei bei einem länger andauernden Konsum von Alkohol diese Wirkung nachlässt.
Langzeitfolgen für Organe und Nervensystem
Die Aufnahme von Alkohol in das Blut erfolgt hauptsächlich im Magen, wobei der Rest jedoch im Dünndarm verwertet wird. Im Körper erweitert Alkohol die Blutgefäße, wodurch ein Gefühl von Wärme suggeriert wird. Hierdurch kann es folgerichtig leicht zu Unterkühlung des Konsumenten kommen. Dabei erfolgt der Abbau überwiegend über die Leber.
Bei dauerhaftem Konsum von Alkohol sind die Langzeitfolgen außergewöhnlich ausgeprägt. Die Sucht nach der Droge Alkohol kann zu irreversiblen Schäden aller Organe führen, weil Alkohol den Körperzellen Wasser entzieht. Zum Beispiel kann das Nervensystem empfindlich gestört werden, was die Verminderung des Tastsinnes in den Gliedmaßen bedingt. Dies kann so weitreichend sein, dass beim dauerhaften Verzehr von Alkohol, durch das Absterben der Zellen des Kleinhirns, eine permanente Unsicherheit im Laufen bis zu Lähmungen der Beine eintreten kann.
Das Nachlassen der intellektuellen Fähigkeiten in Form von Gedächtnisleistungen und die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, ist ebenfalls empirisch feststellbar. Weniger häufig vorkommend, aber dennoch beobachtet, sind Zustände, die Psychosen ähnlich sind. Dazu zählen wahnhafte Stadien, wie beispielsweise Verfolgungswahn und Eifersuchtswahn.
Physisch ist zusätzlich die Ausbildung einer sogenannten Fettleber mit darauf erfolgender irreversibler Verhärtung der Leber, Zirrhose im medizinischen Jargon genannt, beobachtbar. In diesem Stadium der Zirrhose ist die Leber nicht mehr in der Lage, Giftstoffe abzubauen. Dadurch erhöht sich die Konzentration bei fortschreitendem Konsum von Alkohol im Körper, wodurch weitere Hirnzellen absterben und das Blut schwerer die Leber passieren kann. Das Blut wird dadurch im Körper durch empfindlichere Adern umgeleitet, wie unter anderem durch die Speiseröhre. Diese unnatürliche Kompensation des Blutkreislaufs ist sehr empfindlich und kann durch das Platzen von Arterien zu einem plötzlich eintretenden Ableben führen. Ferner erhöht sich das Risiko an Krebs zu erkranken drastisch.
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Cannabis — Wirkung, Konsumformen und rechtliche Lage
Pflanze und Wirkstoff
Das bewusstseinserweiternde Cannabis wird aus den zwei Gattungen des Hanfes Cannabis Indica beziehungsweise Cannabis Sativa hervorgebracht. Dabei werden die getrockneten Blütenblätter, die im gesellschaftlichen Gebrauch Marihuana genannt werden, und das getrocknete Harz der Drüsenhaare des Cannabis, das unter anderem als Haschisch bezeichnet wird, auf unterschiedlichste Weise konsumiert.
Cannabis kann zudem in Form des sehr seltenen Haschischöls, welches durch das Einweichen, Filtern und Eindämpfen von mit Cannabis versetzten Lösungsmitteln hergestellt wird, konsumiert werden. Das Haschischöl hat eine dunkelgrüne bis schwarze Farbgebung und einen fauligen Geruch.
Bei Cannabis lässt sich zudem bei der Trocknung von Marihuana erkennen, ob es sich um braune, da fermentierte oder grüne, luftgetrocknete Blüten handelt. Zudem sind unterschiedlichste Züchtungen der Pflanze Cannabis erhältlich. Allen Sorten von Cannabis ist gemein, dass die weiblichen Pflanzen einen höheren Anteil des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol, kurz THC, aufweisen.
Konsumformen und Rauschverlauf
Das Konsumieren des Cannabis erfolgt zumeist durch das Rauchen in einem Gemisch mit Tabak, wobei hierdurch eine Rauschwirkung nach wenigen Sekunden eintritt und ungefähr zwei bis drei Stunden andauert. Cannabis kann jedoch auch oral verzehrt werden. Dabei tritt die Wirkung des Rausches nach ungefähr einer bis zwei Stunden ein und zieht sich, je nach Fülle des Magens, bis zu fünf Stunden. Diese Methode ist aufgrund ihrer schlechten Dosierbarkeit jedoch zu unangenehmen Rauschwirkungen und -ausschweifungen prädestiniert. Eine Überdosierung, die zum Tode führt, kann durch den Konsum von Cannabis nicht erzielt werden.
Der Rausch von Cannabis ist entspannend, wobei das Hungergefühl angeregt und die vorherrschende mentale Verfassung dem Konsumenten betont werden kann. Gefühle wie exemplarisch Hemmungen, Angst, Ausgelassenheit, Heiterkeit und Scham können parallel oder unmittelbar folgend eintreten. Zusätzlich wird das bildliche Vorstellungsvermögen und das Wahrnehmen von Geräuschen durch den Konsum von Cannabis verstärkt. Cannabis verändert darüber hinaus das bewusste Zeitgefühl und das rational logische Denken weicht einem intuitiv subtilen Bewusstsein.
Selten treten nach der Einnahme von Cannabis Halluzinationen auf. Dieser Zustand wird zumeist bei sehr starken Sorten oder sehr hoher Dosierung erlangt und wird dem Rausch der klassischen Halluzinogenen gleichgesetzt, wobei beeinträchtigende physische Unwohlgefühle geschildert werden.
Nachweis und Stoffwechsel
Der Abbau von Cannabis erfolgt innerhalb von ungefähr acht Stunden durch die Organe Darm, Niere und über die Leber oxidativ. Da das Tetrahydrocannabinol fast ausschließlich fettlöslich ist, können die nicht psychoaktiven Abbaustoffe des THC auf unbestimmte Zeit im Fettgewebe des Körpers nachgewiesen werden.
Bei einmaligem Konsum von Cannabis kann ein Nachweis per handelsüblichen Drogentest innerhalb von zwölf Tagen positiv ausfallen. Jedoch ist ein Nachweis beim regelmäßigen Konsum in der Regel bis zu vier Wochen positiv. Bei einer Haaranalyse allerdings ist der Abbaustoff des Cannabis, das Cannabismetabolyten, je nach Haarlänge bis zu sechs Monaten verifizierbar. Bei dieser Methodik des Attestierens des Konsums von Produkten aus Cannabis benötigt das jeweilige Institut circa fünfzig Gramm Haare aus einer Kopfregion, die vor der Entnahme fixiert wird, damit sich die Haarsträhnen nicht untereinander verschieben.
Rechtliche Lage und medizinische Anwendung
Das Cannabis umgibt eine mystische Aura der Dämonisierung der Sucht erzeugenden Droge und der Gesundheit dienlichen Medizin. Seit dem Cannabisgesetz vom 1. April 2024 ist der Besitz für Erwachsene innerhalb definierter Mengen erlaubt — bis dahin verbot das Gesetz der Bundesrepublik Deutschland jeglichen Besitz; bereits davor konnten zum Zweck der Therapie von psychischen Krankheiten und Tumorerkrankungen Ausnahmegenehmigungen an Bürger juristisch erteilt werden. Der Wirkstoff des Cannabis, das THC, wird hierbei synthetisch als medizinisches Präparat zur Behandlung verwendet.
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Kokain — Geschichte, Wirkung und Konsumformen
Geschichte und Entdeckung
Das global verbreitete Kokain ist ein starkes Stimulans mit sehr hohem Abhängigkeitspotenzial, das chemisch zu den Tropan-Alkaloiden gehört und ein Derivat von Ecgonin ist.
In Europa wurden die ersten Cocasträucher, aus denen circa 1850 das erste Mal Kokain extrahiert wurde, um das Jahr 1750 aus Südamerika importiert. Die Kokasträucher sind jedoch seit schätzungsweise 4 000 Jahren heilige Pflanzen der indigenen Bevölkerung Südamerikas und werden von diesen Eingeborenen sowohl als Heilmittel als auch für Stammesrituale unterschiedlichster Natur verwendet.
Der Name Kokain geht auf den deutschen Chemiker Albert Niemann zurück, der im Winter 1859/60 im Labor des Friedrich Wöhler zu Göttingen die aktiven Komponenten des Cocastrauchs isolierte. Da es sich dabei um ein Alkaloid handelte, benannte er es in Kokain. Umstritten ist allerdings, ob Niemann der erste war, der das Kokain substrahierte. Unumstritten hingegen ist, dass 1923 D. Wolfes, R. Willstätter und H. Mäder die erste Synthese der Reinsubstanz Kokain vornahmen.
Seit dem Jahre 1879 wurde Kokain angewendet, um die Abhängigkeit von Morphin, wie unter anderem Heroin, zu therapieren. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht bekannt, dass Kokain selbst ebenfalls eine Sucht erzeugen kann. Im selbigen Jahr wurde durch Vassili von Anrep an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität die Schmerzen stillende Wirkung des Kokain entdeckt. Hierdurch wurde das halbsynthetische Kokain ab 1884 zum ersten lokalen Schmerzmittel, im wissenschaftlichen Jargon der Medizin Anästhetikum genannt, in Deutschland.
Zeitgleich verherrlichte Sigmund Freud den Konsum von Kokain als Droge in seinem Werk „Über Coca", sodass eine gesellschaftliche Etablierung des Rauschmittels um die Jahrhundertwende erfolgte. Ebenfalls trugen zu diesem Erfolg des sozial tolerierten Konsums von Kokain Erfrischungsgetränke mit dem Extrakt der Cocablätter bei. Coca-Cola enthielt bis 1906 pro Liter 250 Milligramm Kokain und erhielt von den Sträuchern der Pflanze Coca seine patentgeschützte Bezeichnung. Auch heute enthalten diese Gattungen der Erfrischungsgetränke die Inhaltsstoffe der Blätter des Coca, jedoch werden mittlerweile ausschließlich die nichtalkaloiden Inhaltsstoffe verwendet.
Der Konsum von Kokain war in den letzten fünfunddreißig Jahren des 19. Jahrhunderts bis zur staatlichen Illegalisierung gesellschaftlich in allen Kreisen weit verbreitet, wobei erst relativ spät das Sucht erzeugende Potenzial dieser Droge entdeckt und erforscht wurde.
Pharmakologie und Bioverfügbarkeit
Kokain zählt zu der pharmazeutischen Klasse der Wiederaufnahmehemmer, der sogenannten Reuptake-Inhibitoren. Kokain im Besonderen verhindert die neurologische Aufnahme von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin, wodurch eine erhöhte Konzentration dieser Neurotransmitter im synaptischen Spalt durch den Konsum von Kokain zustande kommt.
Ausgelassenheit, Aufheiterung der Grundstimmung und eine anhaltende Euphorie sind die bekanntesten Folgen der unmittelbaren Einnahme kleinerer Mengen von Kokain.
Dabei kann Kokain auf die verschiedensten Weisen verabreicht werden, wobei sich die Bioverfügbarkeit stark unterscheidet. Diese beträgt bei oralem Konsum 33 Prozent, nasal zwischen 11 und 26 Prozent, beim Konsum durch Kauen der Cocablätter bei 25 Prozent, bei der intravenösen Verabreichung via Spritze wirkt das Kokain zu 100 Prozent und beim Rauchen der Cocapaste, der free base respektive Crack, erzielt der Konsument eine Wirkung von 6 bis 32 Prozent.
Hilfe und Beratung in Deutschland
Suchterkrankungen sind anerkannte Krankheitsbilder — die Inanspruchnahme professioneller Unterstützung ist ausdrücklich keine Schwäche, sondern der erste medizinisch sinnvolle Schritt. Erste Anlaufstellen sind:
- Hausarzt oder Hausärztin — vermittelt vertraulich an Suchtberatung oder Suchtmedizin
- Suchtberatungsstellen — kostenfrei, niedrigschwellig, von Caritas, Diakonie, AWO und kommunalen Trägern betrieben; bundesweit über 1.500 Stellen
- BZgA-Sucht-Hotline 0221 892031 (anonym, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)
- Sucht- und Drogenhotline 01806 313031 (24/7, anonym, kostenpflichtig: 0,20 €/Anruf aus dem Festnetz)
- Selbsthilfegruppen — Anonyme Alkoholiker, Narcotics Anonymous, Blaues Kreuz, Guttempler
- Spezialisierte Therapeuten und Suchtmediziner — stationäre Entgiftung, Entwöhnungsbehandlung, Nachsorge-Gruppen
Geeignete Ansprechpartner in Ihrer Region finden Sie auf McGesund — Therapeuten, Beratungsstellen und Praxen mit Schwerpunkt Suchtmedizin sind dort mit verifizierten Bewertungen gelistet, sodass Sie auf Basis echter Patienten-Erfahrungen auswählen können.
