Rotwein bald auf der Dopingliste?
Rotwein enthält biologisch aktive Inhaltsstoffe, denen lange gesundheitliche Wirkungen zugeschrieben wurden. Eine 2013 vorgestellte Untersuchung deutet darauf hin, dass bestimmte Inhaltsstoffe in den Testosteronstoffwechsel eingreifen könnten — was theoretisch auch eine Relevanz für den Sport-Doping-Kontext hätte.
Declan Naughton, Chemiker an der Kingston-Universität in London entdeckte das Doping-Potenzial von Rotwein eher durch Zufall. Zuvor hatte er entzündungshemmende Mittel untersucht, bekannt ist, dass diese Einfluss auf die Enzymaktivität haben. Viele der von ihm untersuchten Substanzen wurden aus pflanzlichen Substanzen hergestellt, besonders Tee und Rotwein enthalten eine Vielzahl biologisch aktiver Inhaltsstoffe. Nach weiteren Tests nun das Ergebnis:
Rotwein enthält Substanzen, die das Enzym UGT 2B17 blockieren, dieses spielt eine wichtige Rolle beim Testosteronstoffwechsel.
Bislang konnte der Effekt nur im Reagenzglas nachgewiesen werden, ob Rotwein auf dieselbe Weise im menschlichen Körper wirkt, muss in weiteren Studien geklärt werden. Sollte sich der Effekt im menschlichen Körper bestätigen, ergäben sich zwei Implikationen: Erstens könnten Inhaltsstoffe aus Rotwein oder entsprechenden Extrakten den Testosteron-Abbau hemmen. Zweitens würde diese Hemmung das Verhältnis von Testosteron im Urin zum tatsächlichen Wert im Blut verschieben — was die Aussagekraft klassischer Doping-Urintests einschränken könnte.
Naughton hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) damals über die vorläufigen Ergebnisse seiner Studie in Kenntnis gesetzt.
Stand 2024 — was aus der UGT-2B17-These geworden ist
Der von Naughton beschriebene UGT-2B17-Mechanismus wurde von der WADA nicht in die Liste verbotener Substanzen oder Methoden aufgenommen. Folgestudien konnten den im Reagenzglas beobachteten Effekt im menschlichen Organismus bislang nicht zuverlässig reproduzieren. Unabhängig davon wird die früher zitierte „Schutzwirkung“ moderaten Rotweinkonsums auf das Herz-Kreislauf-System nach heutiger Studienlage anders bewertet (WHO 2023 — Lancet Public Health: keine gesundheitlich unbedenkliche Alkoholmenge nachgewiesen).



